Hochschul-Fusionitis: Aus zwei mach eins - DER SPIEGEL
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Hochschul-Fusionitis Aus zwei mach eins

Feindliche Übernahme oder Zusammenschluss unter Gleichen? Was Studenten und Professoren mit gemischten Gefühlen sehen, ist für das Land Niedersachsen beschlossene Sache: Die Uni und die FH in Lüneburg fusionieren. Die Hochschul-Hochzeit könnte bundesweit Schule machen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Niedersachsen will mit der Fusion von zwei Hochschulen bundesweit Schule machen. "Das Modell wird viele Nachahmer finden, davon bin ich überzeugt", sagte Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU). Am Mittwochabend hatte der Landtag in Hannover beschlossen, die Universität und die Fachhochschule in Lüneburg 2005 zu einer Modellhochschule zusammenzuschließen. Das Land setzt darauf, durch die Fusion langfristig Personalkosten zu sparen. Künftig ist nur noch eine Verwaltung notwendig. Studenten können in Lüneburg künftig internationale Bachelor- und Masterabschlüsse machen.

Die Präsidenten der beiden Hochschulen, Hartwig Donner und Christa Cremer-Renz befürworten die Fusion und sehen sich selbst in einer Vorreiterrolle. Das bisherige deutsche Hochschulsystem mit forschungsbezogenen Studiengängen an den Unis und anwendungsorientierter Ausbildung an den Fachhochschulen sei auf Dauer kaum überlebensfähig. "Es stellt sich die Frage, ob Deutschland sich dieses binäre System überhaupt noch leisten kann. Es wird sich grundsätzlich etwas verändern in der Hochschullandschaft", betonte Fachhochschul-Präsidentin Cremer-Renz. Ihr Uni-Kollege Donner ergänzte: "Wir sind auf einem Kurs, dem früher oder später auch viele andere folgen werden."

Tatsächlich wird auch an anderen Hochschulstandorten laut über mögliche Zusammenlegungen nachgedacht. So erwägt die bayrische Landesregierung, ihre beiden traditionsreichen Universitäten, die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und die Technische Universität (TU), zu einer "University of Munich" zu fusionieren. Dort zeigten sich aber nicht beide Partner gleich begeistert. Der Zusammenschluss mit rund 70.000 Studenten könne einen "Koloss auf tönernen Füßen, eine Monster-Uni" schaffen, so LMU-Rektor Bernd Huber.

In Lüneburg wird die neue Hochschule rund 10.000 Studenten haben, bisher zählte die Universität Lüneburg 7000 Studenten, die Fachhochschule rund 4200. Wissenschaftsminister Stratmann sagte, durch den Zusammenschluss werde die Hochschule im nationalen und internationalen Wettbewerb deutlich stärker. Für jeden Studiengang werde individuell festgelegt, ob das Abitur oder die Fachhochschul-Zugangsberechtigung zum Studium ausreiche.

Im Vorfeld der Fusion hatte es vor allem an der Uni Widerstände gegeben. Viele Professoren hatten befürchtet, dass auf sie mehr Arbeit zukommt, weil ihre Fachhochschul-Kollegen teilweise mehr als doppelt so viele Lehrstunden abhalten. Außerdem wurde die Befürchtung laut, die Universität könnte zur "Billig-Uni" degradiert werden, wenn auch FH-Professoren den selben Status erhielten.

Uni-Präsident Donner übte sich deshalb in Professoren-Schelte: "Deutsche Professoren sind sehr reformresistent und haben viel Angst um tatsächliche oder angebliche Besitzstände."

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