Hochschulen: Und sie bewegen sich doch - DER SPIEGEL
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Hochschulen Und sie bewegen sich doch

Träge, konservativ, reformimmun - dieser Ruf hängt den Universitäten an. Sie können auch anders: Die TU Darmstadt und die FHTW Berlin wurden jetzt als "reformfreudigste Hochschulen Deutschlands" ausgezeichnet.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Hochschulen gelten als ständige Krisenherde. "Faule Langzeitstudenten" stehen ebenso im Kritikhagel wie statusverliebte Professoren, die sich an Beamtenprivilegien klammern und darüber ihre Lehrpflichten schleifen lassen. Manche Bildungspolitiker sehen die deutschen Universitäten gar als eine Art gigantische Geldvernichtungsmaschine. "In den Köpfen ist der Eindruck präsent, man könne eine Milliarde zusätzlich in das Hochschulsystem werfen, und es mache noch nicht einmal Plumps", beschrieb einmal Hans-Uwe Erichsen, Ex-Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, das gängige Bild.

Einige Hochschulen jedoch zeichnen sich durch besonderen Pioniergeist aus - zum Beispiel die Technische Universität Darmstadt und die Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Beide erhielten am 10. Mai den Titel "best-practice-Hochschule 2001" vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), einer gemeinsamen Einrichtung der Bertelsmann Stiftung und der Hochschulrektorenkonferenz. Die CHE-Gutachter vergaben ein dickes Lob für überzeugende Initiativen: Die Hochschulen hätten "durch umfassende Reformen in allen Bereichen ihre Leistungsfähigkeit deutlich steigern konnten", so CHE-Leiter Detlef Müller-Böling.

Selbstverständlich ist das keineswegs: Noch immer sehnen viele Rektoren und Professoren sich offen oder heimlich zurück in die vermeintlich heile Welt der frühen 60-er Jahre, als das Studium ein Oberschicht-Privileg war und noch niemand daran dachte, die Talare der Herren Magnifizenzen zu lüften. Derweil haben andere Hochschulen den bequemen Platz an der Klagemauer längst verlassen. Statt ausdauernd Stellenkürzungen und bürokratische Gängelung zu bejammern, packen sie Reformen an, über die anderswo nur endlos palavert wird.

So nannten die Experten als besondere Stärke der TU Darmstadt mit ihren 16.000 Studenten in 14 Fachbereichen die "hohe internationale Kooperationsbereitschaft". In zahlreichen Netzwerken arbeite sie mit anderen Hochschulen und der Wirtschaft zusammen. Mit "public private partnerships" und Ausgründungen stärke die TU die Forschung und verschaffe sich größere finanzielle Spielräume.

Außerdem lobten die Juroren das moderne Hochschulmanagement und die Frauenförderung: So schwärmen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Schulen aus, um Abiturientinnen für die Ingenieur- und Naturwissenschaften zu begeistern. Und beim "Mentorinnen-Netzwerk" stehen berufserfahrene Frauen den Studentinnen mit Rat und Tat zur Seite.

Ganz andere Ausgangsbedingungen hatte die FHTW Berlin, mit rund 8000 Studenten in 26 Fächern die größte Fachhochschule der Hauptstadt. Dass sie mehrere noch zu DDR-Zeiten gegründete Hochschulen unter einem Ostberliner Dach zusammenführen musste, nutzte die FHTW zu einem furiosen Neustart. Heute besticht sie nach Auffassung der CHE-Gutachter vor allem durch die internationale Ausrichtung ihres Studienangebots - etwa durch die konsequente Einführung von Bachelor- und Master-Abschlüssen, auf die andere deutsche Hochschulen sich nur zögernd eingelassen hatten.

Die Fähigkeit zur Selbstkritik vereint die preisgekrönten Hochschulen: Beide setzen auf eine attraktive Lehre und überprüfen ständig die eigenen Leistungen. In Berlin zum Beispiel müssen die Professoren sich einer internen Evaluation stellen; die Studenten beurteilen die Stärken und Schwächen jeder Vorlesung und jedes Seminars. Die besten Hochschullehrer werden prämiert, und viele drücken bei didaktischen Weiterbildungen noch einmal die Schulbank, um ihren Studenten die klassischen Frontalvorlesungen zu ersparen.