Hütten & Paläste: Die Psycho-Couch der WG - DER SPIEGEL
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Hütten & Paläste Die Psycho-Couch der WG

Mal sind sie perfekt aufgeräumt, mal Rumpelkammern. Fast immer lagern in Studentenwohnungen Objekte mit kultischem Wert. Bei sechs Studenten machte Simon Kremer Foto-Rundgänge. Heute: Resa, 22, regiert ihr Zimmer von Bett und Couch aus - und Mutter schickt Care-Pakete.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Spätestens nach den Partys am Anfang des zweiten Semesters hört man auf, das Zimmer regelmäßig zu entrümpeln. So ist es meist auch während der Prüfungszeit. Aber spätestens beim Umzug in die nächste WG fallen einem plötzlich alte Briefe, Bücher oder Postkarten in die Hände, deren Existenz man aus tiefster Überzeugung selbst im KGB-Verhör geleugnet hätte.

Resas Zimmer im Überblick - mehr davon zeigt das Video unten

Resas Zimmer im Überblick - mehr davon zeigt das Video unten

Foto: Simon Kremer

Über die Semester sammelt sich in Studentenwohnungen allerlei Nützliches und Unnützes an, das an wichtige Stationen und Phasen des Studiums erinnert. An den Auslandsaufenthalt, die legendäre Grillparty im Mondschein am Ufer der Elbe, die verkorkste Klausur, nach der man alles hinschmeißen wollte.

Ein tiefer Blick in die Zimmer kann helfen, näher zu ergründen, wie Studenten in Deutschland leben, was sie neben Vorlesungsmitschriften alles in ihren vier Wänden zwischen Lateinbuch und Laptop verstecken. Häufig sehen die Zimmer aus wie ein Ikea-Ausstellungsraum mit leicht musealem Charakter.

Die Serie auf SPIEGEL ONLINE versucht, dieses Lebensgefühl aufzugreifen. Sie erzählt die Geschichten von sechs Studenten, die ihr Zimmer mit verschiedensten Objekten teilen: mit Care-Paketen der Eltern, Stapeln von Tausenden Seiten Promotionsunterlagen - oder auch mit dem eigenen Kind.

Es sind echte Alltagsbilder. Mit kleinen Einschränkungen: Fast alle Studenten gestanden, die Wohnung zumindest ein bisschen aufgeräumt, die Dreckwäsche unter dem Bett verstaut und den Bierkasten auf den Balkon gestellt zu haben.

Heute: Resa, 22 - Die Care-Pakete der Hobbypsychologin

Ein nicht zu vernachlässigender Aspekt des Studiums sind die sozialen Kontakte, findet Resa, Pädagogik-Studentin im dritten Semester. Mit ihrer Spielesammlung auf dem Schrank und den Sitzkissen darunter ist sie für jeden gemütlichen Abend und jede WG-Party vorbereitet. Im Türrahmen hängen noch grüne Krepp-Lianen aus der vergangenen Woche, als in der Dreier-WG die "Dschungel-Party" stattfand.

Ihren kleinen Schreibtisch nennt die Studentin ein "Alibi" und nutzt ihn nur als Ablage, ihr Zimmer regiert sie vom Bett aus. Hier schläft, isst und arbeitet sie - wenn Resa, die sich in letzter Minute doch noch gegen ein Psychologie-Studium entschieden hatte, nicht gerade ihre Freunde auf die Couch legt und sich Probleme anhört oder philosophiert.

Wachgeklingelt wird Resa von zwei Weckern, einer davon mit Rudi Völler alias "Tante Käthe" in der Mitte. Am Schrank hängen die unregelmäßigen Schwedisch-Vokabeln direkt neben ihrem Motivationsschild: "Endlich wieder eine Minute vergangen".

Und unter dem Tisch stehen noch die leeren Care-Pakete aus der Stralsunder Heimat. Weil Mütter ja immer glauben, dass es woanders als zu Hause keine Lebensmittel zu kaufen gibt. Also schickt Resas Mutter mal Heringsfilets, mal warme Socken oder Marmelade. Lässt Resa etwas übrig, vertilgt es die WG - oder die Besucher, die zum Essen und zu Spieleabenden kommen.

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