Junge Weltverbesserer: Rette Welt wer kann - DER SPIEGEL
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Junge Weltverbesserer Rette Welt wer kann

Kindern helfen, Frieden stiften, Bäume pflanzen: In Salzburg trafen sich junge Menschen aus aller Welt, die sich alle für eine bessere Welt einsetzen. SPIEGEL ONLINE stellt vier von ihnen vor - ihre Projekte, ihre Ängste und ihre Ziele.
Von Sonja Salzburger
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ihnen ist die Zukunft unserer Erde alles andere als egal. Sie kommen aus Indien, Malaysia, Schweden und Deutschland und arbeiten an ganz unterschiedlichen Projekten. Trotzdem haben sie eine Gemeinsamkeit: Sie wollen die Welt verbessern.

Arunduth Gupka, 23, zeigt Kindern aus indischen Slums Wege aus der Armut. Afiq Johar, ebenfalls 23, möchte die Konflikte zwischen Muslimen und Buddhisten in Südthailand lösen. Andreas Sidkvist, 28, startet eine "Rettet die Welt"-Kampagne an schwedischen Schulen, um Kinder für den Umweltschutz zu begeistern. Felix Finkbeiner, 11, kämpft für Klimagerechtigkeit und möchte eine Million Bäume pflanzen.

Jungen Leuten wird oft vorgeworfen, sie seien nur engagiert, wenn es um ihre eigene Karriere geht - auf diese vier trifft das sicher nicht zu. SPIEGEL ONLINE stellt ihre Projekte vor und fragte: Was treibt dich an? Was bedeutet Gerechtigkeit für dich? Was macht dich glücklich? Wovor hast du Angst?

Obwohl jeder von ihnen an einem ganz anderen Projekt arbeitet, teilen sie gemeinsame Ängste. Die größten Sorgen bereiten ihnen soziale Ungerechtigkeit, Klimaveränderungen und die Angst, dass sie nicht schnell genug sein könnten, um diese drängenden Probleme aufzuhalten. Als "Future Global Leaders" trafen sich die vier beim Salzburger Trilog, einem internationalen Kolloquium, das jährlich im Rahmen der Salzburger Festspiele ausgerichtet wird.

Die Inderin Arundhuti Gupka, 23, will Slumkindern aus der Armut helfen

Foto: Bertelsmann Stiftung

Arundhuti Gupka studiert Wirtschaft an der Manchester Business School und arbeitete bereits in mehreren Non-Profit-Organisationen. In ihrer Heimatstadt Bangalore hat sie das Mentorenprogramm "Mentor together" gegründet, das sich um Kinder aus indischen Slums kümmert.

Mit den ursprünglichen Bildungsprogrammen Bangalores war sie unzufrieden. Ihrer Meinung nach werden Kinder aus armen Familien benachteiligt, weil sie keine Schlüsselqualifikationen erwerben, die ihnen helfen, der Armut zu entkommen. In Gupkas Programm bringen die Mentoren den Kindern Englisch in Wort und Schrift bei und helfen ihnen, ihre beruflichen Ziele zu verwirklichen.

Was treibt dich an?

Mein Vorbild ist der Wirtschaftswissenschaftler und Friedensnobelpreisträger Mohammad Yunus. Yunus vergab Mikrokredite an die Ärmsten der Armen und half ihnen dabei, sich aus der Armut zu befreien.

Was bedeutet Gerechtigkeit für dich?

Ich denke, wir können nicht alle mit den gleichen Fähigkeiten geboren werden, aber alle Menschen auf der Welt müssen die gleichen Chancen bekommen. Das ist Gerechtigkeit. Meiner Meinung nach ist es eine große Ungerechtigkeit, dass Menschen, die zufällig in einer armen Familie geboren worden sind, viel schlechtere Chancen haben, in ihrem Leben etwas zu erreichen als Kinder aus reichen Familien.

Was macht dich glücklich?

Es macht mich total glücklich, wenn ich Chancengleichheit sehe. Armut muss für immer ausgelöscht werden. Wir müssen jedem Menschen helfen, sein wahres Potential zu entfalten. Bei einer Veranstaltung wie dem Salzburger Trilog sehe ich so viele Möglichkeiten, wie man unsere drängenden Probleme lösen kann.

Was macht dir Angst?

Ich habe Angst davor, dass die guten Menschen gegenüber den egoistischen, kurzsichtigen Menschen in der Unterzahl sind. Außerdem habe ich Angst davor, dass wir vielleicht nicht schnell genug sind, um eine nachhaltige Zukunft zu erreichen.

Der Malaysier Afiq Johar, 23, will für eine friedliche Welt eintreten

Foto: Bertelsmann Stiftung

Afiq Johar engagiert sich bei der internationalen Bewegung Just und organisierte die erste internationale Jugendkonferenz, die mittlerweile jährlich stattfindet. Das Ziel: Jugendliche aus unterschiedlichen Ländern zusammenbringen und ein harmonisches Verhältnis zwischen ihnen fördern, damit sie gemeinsam für eine engagierte Gesellschaft eintreten. Bei der Konferenz diskutieren die Gäste zum Beispiel über die Globalisierung oder versuchen zu verstehen, warum Religion sowohl Frieden stiften als auch Kriege verursachen kann.

Johar arbeitete außerdem mit dem "Asian Muslim Action Network" (Aman) zusammen. Mit dieser NGO suchte er nach Lösungen für die Konflikte zwischen Muslimen und Buddhisten im Süden Thailands. Seit 2004 kamen bei Aufständen in Südthailand über 4000 Menschen ums Leben. Mit Aman lud Johar junge, thailändische Buddhisten und Muslime ins Nachbarland Malaysia ein, um ihnen eine friedliche Begegnung zu ermöglichen und gegenseitiges Verständnis für die andere Kultur und Religion zu fördern.

Mittlerweile arbeitet Johar für die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers, so dass ihm nicht mehr so viel Zeit für seine ehrenamtliche NGO-Arbeit bleibt. Aber er versucht sich auch am Arbeitsplatz zu engagieren, setzt sich als "Green Marshall" für den Umweltschutz in seinem Büro ein und organisiert Spendenaktionen für Krisengebiete.

Was treibt dich an?

Die Gewissheit, dass das, was ich tue, einen Unterschied bewirken kann, gleichgültig, wie klein dieser Unterschied ist.

Was bedeutet Gerechtigkeit für dich?

Gerechtigkeit bedeutet für mich, dass es keine Vorurteile gibt

Was macht dich glücklich?

Eis essen. Und wenn ich sehe, dass sich meine Bemühungen gelohnt haben.

Was macht dir Angst?

Globale Erderwärmung und Klimaveränderungen

Der Schwede Andreas Sidkvist, 28, will Schüler für den Umweltschutz begeistern

Foto: Bertelsmann Stiftung

Momentan versucht Andreas Sidkvist mit seiner NGO "Global Action Plan" in Schweden die niederländische Internetcommunity "Treemagochi" einzuführen. Die Seite richtet sich an Menschen, die sich im privaten Bereich für Umweltschutz engagieren möchten. Sie unterschreiben zum Beispiel, dass sie zu einem umweltfreundlicheren Stromanbieter oder einer engagierten Bank wechseln wollen. Alle Community-Mitglieder erhalten einen virtuellen Baum, der wachsen kann wie ein Tamagochi, wenn sie ihre Versprechen einlösen.

Andreas nächstes Projekt ist eine "Rettet die Welt"-Kampagne an schwedischen Schulen. Er möchte Schüler motivieren, sich für eine umweltbewusste Gesellschaft einzusetzen und selbst Zukunftsvisionen von einer besseren Welt zu entwickeln. Die Schüler sollen sich überlegen, was sie zum Umweltschutz beitragen können, Sidkvist und sein Team unterstützen sie bei der Verwirklichung ihrer Pläne als Mentoren. In seiner Nachbarschaft startete Sidkvist ein Netzwerk für Menschen, die sich auf lokaler Ebene für den Umweltschutz einsetzen möchten

Was treibt dich an?

Ich möchte etwas machen, was mir sinnvoll erscheint. Bei den heutigen Problemen wie Klimaveränderungen und sinkenden Ölreserven denke ich, dass eine Kampagne für eine umweltbewusste Gesellschaft das Beste ist, was ich tun kann.

Was bedeutet Gerechtigkeit für dich?

Gerechtigkeit bedeutet für mich, dass wir alle die gleichen Chancen und Verpflichtungen haben

Was macht dich glücklich?

Menschen, die Gutes tun.

Was macht dir Angst?

Wenn Menschen ihr Leben von Angst kontrollieren lassen.

Der Deutsche Felix Finkbeiner, 11, will eine Million Bäume pflanzen

Foto: Bertelsmann Stiftung

Felix gründete 2007 die Schülerinitiative "Plant for the Planet". Die jungen Mitglieder kämpfen dafür, dass weltweit jeder Mensch die gleichen CO2-Verschmutzungsrechte bekommt. Ihrer Meinung nach ist es ungerecht, dass zum Beispiel ein Deutscher jährlich durchschnittlich elf Tonnen CO2 in die Atmosphäre pustet, ein Afrikaner dagegen nur 0,5 Tonnen.

"Plant for the Planet" macht sich dafür stark, dass jeder Mensch, der mehr CO2 verbraucht als der Durchschnitt, anderen Menschen CO2 Verschmutzungsrechte abkaufen muss. Da jeder Baum jährlich etwa zehn Kilo CO2 bindet, will "Plant for the Planet" als Zeichen der Klimagerechtigkeit weltweit eine Million Bäume pflanzen.

2008 wurde Felix in den Kindervorstand des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) gewählt. Um andere Schüler für seine Ideen zu begeistern, reist Felix um die Welt und spricht auf Kinderkonferenzen der UNEP. Außerdem laden ihn auch Erwachsene zu Vorträgen ein. So hat Felix Ende 2007 vor 1200 Toyota-Händlern gesprochen und im November 2008 im EU-Parlament in Brüssel.

Mittlerweile hat "Plant for the Planet" fast 300.000 Bäume gepflanzt. Wenn Felix nicht gerade als Klimabotschafter unterwegs ist, geht der Elfjährige in die siebte Klasse. Seine Hobbys sind Mountainbiken, Snowboarden, Töpfern, Fußballspielen und Lesen.

Was treibt dich an?

Wir Kinder wollen die gleiche Chance bekommen wie unsere Eltern. Heute sieht es nicht danach aus, wenn wir die Wissenschaftler hören.

Was bedeutet Gerechtigkeit für dich?

Es ist nicht gerecht, wenn weltweit jährlich sechs Millionen Kinder verhungern. Es ist auch nicht gerecht, wenn Afrikaner, die genauso alt sind wie ich, sich in ein Boot nach Europa setzen, obwohl sie wissen, dass nur zwei Drittel von ihnen lebend das Festland erreichen.

Was macht dich glücklich?

Am 19. August habe ich in Südkorea vor 550 Kindern gesagt, wer in seinem Land eine Million Bäume pflanzen will, der soll bitte zu mir auf die Bühne kommen. Nach drei Minuten waren 550 Kinder bei mir auf der Bühne. Da war ich glücklich.

Wovor hast du Angst?

Dass wir nicht mehr genug Zeit haben, die Probleme zu lösen. Deutschland gibt fünf Milliarden Euro aus, damit Autos mit alter Technik gekauft werden - und wir nennen das "Umweltprämie". So etwas macht mir Angst.