Kennzeichen D: Das deutsche Studium - ein Exportschlager? - DER SPIEGEL
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Kennzeichen D Das deutsche Studium - ein Exportschlager?

Deutsche Ingenieurskunst hat traditionell einen Ruf wie Donnerhall, Luxuskarossen sind im Ausland ebenfalls gefragt. Nun soll Bildung "made in Germany" sozusagen in die Wüste geschickt, nämlich fleißig exportiert werden - und das trotz Pisa und der deutschen Hochschulmisere.
Von Marion Schmidt
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Deutsche Schüler sammeln bei internationalen Bildungsvergleichen regelmäßig blamable Zensuren ein. Derweil jammern Studenten und Professoren über die miesen Bedingungen an deutschen Hochschulen, bis den Finanzministern die Ohren bluten. Klagen, nichts als Klagen - da sollte man vermuten, dass deutsche Bildungspolitiker sich vor ihren internationalen Kollegen so lange schamvoll verstecken, bis sie zu Hause die Dinge in Ordnung gebracht haben.

Von wegen.

Das Bundesbildungsministerium jedenfalls ist von der Qualität des Studiums "made in Germany" offenbar so überzeugt, dass es deutsche Studiengänge sogar im Ausland anbieten möchte. Ein Export-Programm des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) erhält eine Förderung von über zehn Millionen Euro.

Import und Export en gros

29 Ausgründungen deutscher Hochschulen im Ausland werden damit bislang unterstützt, darunter komplette Studiengänge wie die Ingenieurwissenschaften der RWTH Aachen in Thailand, Elektrotechnik und Maschinenbau der HAW Hamburg in China oder die Gender Studies der FH Kiel in Südafrika. Dazu zählen aber auch Summer Schools, die ihrem Namen voll gerecht werden - etwa Musik in Rio de Janeiro oder Energie- und Umwelttechnik auf Kuba.

So mancher deutsche Student, der sich über fehlende Bücher und überfüllte Hörsäle ärgert, wird sich fragen, wieso für Studiengänge im Ausland über zehn Millionen Euro ausgegeben werden, während es im eigenen Land durchs Dach der Bibliothek regnet. Doch es gibt viele Gründe für den Bildungsexport. Und Heinz Ludwig Nastansky kennt sie alle.

Nastansky ist beim DAAD für die "Internationalisierung der Hochschulen" zuständig und damit auch für das Programm "Export deutscher Studiengänge". Zum einen, sagt er, wolle der DAAD das deutsche Studium im Ausland bekannter machen, um so auch mehr ausländische Studierende nach Deutschland zu holen.

Da sich aber nicht jeder gute Student ein Studium fern der Heimat leisten könne, hole man die Besten der Besten eben dort ab, wo sie sind. Somit bilde man gerade in Entwicklungs- oder Schwellenländern hochqualifizierte Fachkräfte aus - auch für deutsche Firmen im Ausland.

Firmen sollen profitieren - und zahlen

Das Angebot ist natürlich nicht umsonst: Die Firmen sollen zahlen für die Studenten. So werden die deutschen Hochschulen aufgefordert, im Ausland neue Wege zu gehen, indem sie zum Beispiel Stipendiengelder aus der Wirtschaft einwerben. Ganz so wie die internationale Konkurrenz, an der sich die Deutschen in Angebot und Qualität messen lassen müssen. Damit könne man sie schon mal "ein bisschen provozieren", sagt Nastansky, "wir wollen mit unserem Programm eben auch schauen, wie deutsche Hochschulen sich auf dem internationalen Bildungsmarkt behaupten."

Der Beweis, ob das deutsche Studium ein Exportschlager wird, steht noch aus. Doch schon jetzt steht fest: Besser als in der Heimat lehrt es sich im Ausland allemal. Denn in China oder Südafrika können die deutschen Hochschulen all das machen, was ihnen zu Hause versagt bleibt: Sie dürfen sich ihre Studenten selbst auswählen, Studiengebühren erheben und Eliten in Kleingruppen fördern.

Schließlich, so Nastansky, wolle man ja nicht die Probleme des deutschen Hochschulsystems ins Ausland exportieren.