Kolumne: Eine milde Bohne und ein BWL-Studium, bitte! - DER SPIEGEL
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Kolumne Eine milde Bohne und ein BWL-Studium, bitte!

Marktgängiger war Betriebswirtschaft nie - Kaffeeröster verhökert jetzt auch BWL-Studiengänge. Da geht noch was, ungeahnte Vertriebsmöglichkeiten tun sich auf.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Vielleicht ist die Betriebswirtschaftlehre in ihrem Wert als wissenschaftliche Disziplin jetzt genau richtig eingeordnet: Zwischen magenschonender Bohne, Topfsets und Schlafanzügen verkauft der Hamburger Kaffeeröster Tchibo seit kurzem auch BWL-Studiengänge. Für monatlich 248 Euro gibt es ein dreijähriges Fernstudium zum Diplom-Betriebswirt (FH) an der Privaten Fachhochschule Göttingen. Wer sich mit dem Sonderangebot einschreibt, spart 50 Euro auf die monatliche Gebühr und die Prüfungskosten in Höhe von 650 Euro. Man wolle "die Menschen da abholen, wo sie stehen", erklärt FH-Präsident Bernt Sierke die Werbe-Aktion.

Eine brillante Idee. Warum nicht noch mehr potentielle Studenten dort abholen, wo sie gerade stehen? Künftige Mediziner in der Apotheke, Informatiker zwischen Flachbildschirmen und Laserdruckern, Sportstudenten in der Schuhabteilung? Ungeahnte Vertriebsmöglichkeiten tun sich auf: Zur Angebotspalette des Autohauses gehören künftig nicht nur Alufelgen, sondern auch die Einführungsvorlesung in Maschinenbau. Beim Fleischer heißt es: Darf es zum Gehackten noch ein klein wenig Anatomie sein? Und nachts auf dem Verkaufssender hört man zwischen den Stöhn-Clips: "Ruf mich an: 0800-S-T-U-D-I-U-M".

Was das über die Wertschätzung von akademischer Bildung in unserem Land aussagt? Vielleicht steht die Antwort in der nächsten Postwurfsendung - oder im Kaffeesatz.