Kulturmix Musik: Da Rapper is back! - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Kulturmix Musik Da Rapper is back!

Wenn Rapper zu Schauspielern werden, bekommt das ihrer Musik fast nie. So war es auch bei Mos Def. Doch jetzt ist dem Konsenskünstler des Rap ein brillantes Comeback gelungen. Außerdem: Joakims geschmackvoller Welt-Remix - ein Soundcheck aus der UniSPIEGEL-Redaktion.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
Intelligent und lyrisch: Mos Def

Intelligent und lyrisch: Mos Def

Einige Rapper haben in den vergangenen Jahren Schauspielkarrieren gestartet, kaum einer hat danach noch eine gute Platte hinbekommen.

Ob es Will Smith, Queen Latifah, Ice Cube oder LL Cool J waren - sie reüssierten in den unterschiedlichsten Filmgenres, nur ihr ursprüngliches Talent litt unter dem Wechsel des Fachs.

Was erstaunlich ist. Denn sosehr im HipHop immer darauf bestanden wird, ein Künstler müsse "real" bleiben, so stark ist diese Kultur durch Posen geprägt. Schauspielerei also.

Mos Def, 35, passte in diese Reihe, bisher zumindest. Als hoffnungsvoller Rapper war er Mitte der Neunziger gestartet; "Black Star" hieß ein gefeiertes Projekt und Album, das Mos Def gemeinsam mit Talib Kweli herausbrachte, "Black On Both Sides" sein großartiges Solodebüt. Er war intelligent und lyrisch, frech und politisch. Und dann wurde er Schauspieler.

In gut zwei Dutzend Filmen hat Mos Def oder Dante Terrell Smith, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, seitdem mitgespielt. Er ist gut, richtig gut. Bloß gute Platten hat er keine mehr gemacht.

Doch nun gelingt ihm mit seinem neuen Album "The Ecstatic" das Unwahrscheinliche: ein brillantes Comeback als Rapper. Die Stücke sind dreckig und souldurchwirkt, voller Geschichte und Geschichten. Mos Def verbindet Persönliches und Politisches, ohne dabei selbstgerecht oder schlaumeierisch zu werden. Für "Life In Marvelous Times" verknüpft er seine Jugend im krisengeschüttelten Brooklyn der frühen Achtziger mit den gegenwärtigen Tagen des "Terrors und der Wunder".

Für "History" tut er sich sogar wieder mit seinem alten Partner Talib Kweli zusammen. All das wird mal von französischem Electro begleitet, mal von tiefschwarzen Bluesgitarren-Samples, von türkischem Gesang oder den spartanischen Beats des verstorbenen Produzenten J Dilla.

Wunderbar. Jetzt darf er wieder schauspielern.


JOAKIM / "Milky Ways"

Das ist das Gute an der Globalisierung: Jeder kann alles an Musik haben, was er will. Der Pariser Produzent Joakim Bouaziz ist einer der Künstler, die aus dieser Vielfalt eigene Musik machen.

An der amerikanischen Westküste ist radikaler Noise-Metal angesagt? Wird gleich kopiert! An der Ostküste denken sich Bands komplizierte Gesangsharmonien aus? Können wir auch!

"Milky Ways" heißt sein neues Album, und es präsentiert eine ebenso großartige wie äußerst eklektische Mischung der unterschiedlichsten Ideen und Stile. Dass die Stücke nicht auseinanderfallen und in ihrer Summe mehr sind als die einzelnen Partikel, liegt nicht nur an Bouaziz' gutem Geschmack. Vor allem zeichnet ihn ein wunderbares Gefühl für Dramaturgie aus. So wird aus den zehn Perlen dieses Albums eine Kette.