Kulturmix Musik Meditatives Murmeln
BLOC PARTY / "A Weekend in the City" (V2 Records)
Bloc Party! Da ist sie wieder, diese Band aus London, die sich, so scheint es, ein Abo auf vordere Plätze in den Campuscharts gesichert hat. Das neue Album "A Weekend in the City" war noch gar nicht veröffentlicht, da stürmte die Single-Auskopplung "The Prayer" an die Spitze der Rangliste.
Warum auch nicht? Das mit meditativem Murmel-Singsang in einen groovenden Tribal-Beat übergehende Stück machte mit seinen Elektro- und Keyboard-Teppichen, Breaks und durchgeknallten Gitarrenläufen deutlich, wohin der Trip auf "A Weekend in the City" gehen soll: Im Gegensatz zum spröden Debütalbum "Silent Alarm" will die Band um Sänger Kele Okereke nun hörbar weniger wie "Gang of Four" und andere Achtziger-Helden klingen, sondern als eigenständigeres, vielseitigeres Projekt wahrgenommen werden.
Aber: Leider hält das neue Album nicht immer, was "The Prayer" verspricht. Im Gegenteil: Konnte "Silent Alarm" mit seinen treibenden Indierock-Tanznummern noch oft das fehlende Gespür für Harmonien und spannendes Songwriting ausgleichen, so ist das Nachfolgewerk über lange Strecken einfach nur öde. Ewige Aneinanderreihungen von immergleichen Songstrukturen, aufgehübscht durch überproduzierte Elektro-Effekthascherei, wurden auf ein sehr pappig klingendes Schlagzeug-Bass-Fundament gesetzt.
Der Mittelblock mit "The Prayer" und den sich dramatisch steigernden, Riff-orientierten Songs "Uniform" und "On" überzeugt noch am ehesten, für die anderen acht steht aber stellvertretend "Waiting for the 7.18": Gerade vier Minuten lang, will der Song, will das ganze Album einfach kein Ende nehmen. Insgesamt ist das zu durchschnittlich für diese umjubelte Band.
THE BLOOD ARM / "Lie Lover Lie"
Mit einem markigen Spruch stellt sich Nathaniel Fregoso, Sänger von The Blood Arm, im ersten Song des Debütalbums "Lie Lover Lie" vor: "I lay down some fucking hits." Recht hat er, an potentiellen Hits mangelt es dem Quartett nicht. Denn obwohl die Band aus Los Angeles kommt, ist britischer Wave-Rock mit Hang zu skandinavischem Neo-Punk ihr Metier.
Ganz oben auf der Inspirationsliste steht deutlich Franz Ferdinand, bei denen sie sich zum Beispiel mit "Suspicious Character" eifrig bedient. "Accidental Soul" könnte auch von den Hives sein, sogar Supertramp ("The Chasers") oder Lennons Plastic Ono Band ("Going to Arizona") lassen sich wiederfinden. Trotzdem haben alle elf Songs eine eigene Note, was am Klavierspiel von Band-Lady Dyan Valdés liegt. Nicht schlecht.