Kulturmix Musik: Rot und cool - DER SPIEGEL
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Kulturmix Musik Rot und cool

Die einstigen Nerds von Weezer sind inzwischen cooler und eleganter, ihnen ist ein tolles rotes Album gelungen. Und die Australien-Rocker von Airbourne haben bei AC/DC gewildert - ein Soundcheck aus der UniSPIEGEL-Redaktion.
Von Tino Lange
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

WEEZER / Weezer (The Red Album)

Dass es Weezer mit der Single "Pork And Beans" vom neuen Album "Weezer (The Red Album)" bis an die Spitze der CampusCharts schaffte, ist eigentlich kein Wunder, schließlich steht die Band aus Los Angeles seit 1994 wie keine andere für das alternative Subgenre "Geek Rock", beziehungsweise "Nerd Rock": Verhuschte Studentenschluffis mit Pulli und Buddy-Holly-Hornbrille versuchten sich damals in der Glitzerwelt des Rock'n'Roll - mit Erfolg.

Nun also reüssiert Weezer mit coolerem Look und Platte Nummer sechs. Nach dem "Blue Album" (1994) und dem "Green Album" (2001) ist die "rote" die dritte CD in Farbe und besticht durch eine kontrastreiche Songauswahl, die trotz aller Abwechslung immer klar erkennbar Weezer ist.

"Troublemaker", "Everybody Get Dangerous" und "Pork And Beans" erscheinen dabei anfänglich zwar weniger spektakulär mit klassischer Laut-Leise-Dynamik und eindimensionalen Strophen, aber Weezer waren schon immer eine Refrainband, die es schafft, mit feinen mehrstimmigen Harmonien im Ohr hängenzubleiben. Eine Ausnahme ist vor allem das tanzbare "Dreamin'", welches ein wenig an ihren Hit "Keep Fishin'" (2002) erinnert.

Der interessanteste Track ist allerdings - Luft holen! - "The Greatest Man That Ever Lived (Variations on a Shaker Hymn)": In knapp sechs Minuten wechseln Rivers Cuomo, Brian Bell, Scott Shriner und Patrick Wilson alle paar Takte Rhythmus und Stil von HipHop über Ballade zum Folk-Choral, von Glam-Rock über Punk zu Beat, von College-Rock über Spoken Word zu A-Cappella-Surf-Pop und Indie-Rock - trotz allen Wirrwarrs ein toller, in sich geschlossener Song. Und ein tolles, in sich geschlossenes Album, in das nicht nur Studenten mal reinhören sollten.


AIRBOURNE / Runnin' Wild

"Nanu? Die neue AC/DC soll doch frühestens im Herbst erscheinen!" ist der erste Gedanke beim Anspielen von "Runnin' Wild", dem zweiten Album der australischen Rocker von Airbourne.

Denn so wie ihre Landsleute von Jet oder Wolfmother das Erbe von Led Zeppelin verwalten, so wildert Airbourne im Gehege der drei harten Rock-Ikonen von Down Under: Rose Tattoo, Beasts of Bourbon und AC/DC während der Bon-Scott-Phase. Von "Stand up for Rock'n'Roll" bis "Hellfire" huldigen Airbourne in elf Songs dem Rock'n'Roll, dem Suff und dem Weibsvolk wie anno 1978 - mit simplen Riffs, sturen Rhythmen und leicht zu merkenden Mitsing-Refrains.

Mancher Hörer wird den Tribut an Angus Young und Co. zu oberflächlich finden, für echte Rocker sind Hymnen wie "Too Much, Too Young, Too Fast" und "Diamond in the Rough" aber ein wahrer Schnaps-Quell guter Laune. Prost! Oder um es mit AC/DC zu sagen: "Have a Drink on Me".


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