Kurzgeschichten: Wilder Osten - DER SPIEGEL
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Kurzgeschichten Wilder Osten

Boris Fishman (Hg.): Wodka Kalaschnikow.
Von Merlind Theile
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Als Sohn des amerikanischen Botschafters lebt es sich im postsowjetischen Ostblock nicht schlecht. Für eine Handvoll Dollar gibt es alle erdenklichen Drogen im Überfluss, und die Hoffnung auf ein Visum macht Moskaus Damenwelt gefügig - Olga und Swetlana darf der Diplomatensprössling gleich im Doppelpack beglücken. Ähnlich sorglos lebt der Geldverleiher Pawlowitsch in St. Petersburg: Als Gewinner des wirtschaftlichen Umbruchs führt der Raubtierkapitalist ein Leben in Luxus und im Rausch. Zumindest bis zum nächsten Mordversuch - wer den Reichtum hat, wird zur Zielscheibe. Alles kein Problem, solange der geschmierte Informant im Innenministerium zuverlässig vor den Attentaten warnt. Die 13 Kurzgeschichten, die auch in Tiflis, Kiew und Prag spielen, sind Streifzüge durch einen wilden Osten, in dem steinreiche Emporkömmlinge, machthungrige Mafiosi, Wendeverlierer und Weltverbesserer um ihren Platz kämpfen. Herausgeber Boris Fishman, 1979 in Minsk geboren und heute unter anderem für den "New Yorker" tätig, hat für "Wodka Kalaschnikow" im Westen lebende Autoren zusammengetrommelt, die aus Osteuropa stammen oder dort zumindest einen Teil ihres Lebens verbracht haben. Mit westlichem Blick erkunden sie nun das riesige Niemandsland, das der Fall des Eisernen Vorhangs preisgegeben hat. Ihre Geschichten sind lehrreich, poetisch - und manchmal rotzfrech.


Boris Fishman (Hg.): Wodka Kalaschnikow. Luchterhand Literaturverlag, München; 400 Seiten; 10 Euro.