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Nationalkonservative Gesinnungen bei Studenten / Mensa für alle
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"RECHTE HALTUNGEN GEDULDET"

Der Konstanzer Hochschulforscher Tino Bargel, 57, über die Verbreitung national-konservativer Ansichten unter Studierenden

UniSPIEGEL: Herr Bargel, Sie haben bei Ihren sozialwissenschaftlichen Untersuchungen beobachtet, dass wesentlich mehr Studierende national-konservativ eingestellt sind als noch vor fünf Jahren. Wie äußert sich diese rechte Gesinnung?

Bargel: Sicherlich nicht darin, dass die Studierenden in Springerstiefeln auf dem Campus herumlaufen. Aber sie wird deutlich in der Unterstützung konkreter politischer Ziele. Zum Beispiel sprechen sich weit mehr unserer Befragten gegen eine "kulturelle Überfremdung" aus als noch 1995. Sie äußert sich auch in der politischen Grundeinstellung ­ etwa in einer erhöhten Bereitschaft, Gewalt als Mittel der Politik anzusehen.

UniSPIEGEL: Wie viele Studierende vertreten solche Ansichten?

Bargel: Die Zahl der erklärten Anhänger national-konservativer Ideen liegt zwischen zwei und vier Prozent. Dazu kommen aber drei bis vier Prozent Sympathisanten, so dass der Kreis derer, die solchen Positionen zustimmen, zwischen fünf und acht Prozent liegt. Außerdem beobachten wir, dass eine weitere Gruppe von Studierenden die rechte Ideologie stillschweigend duldet.

UniSPIEGEL: Gibt es fachspezifische Unterschiede?

Bargel: Studierende, die sich selbst als national-konservativ bezeichnen, sind besonders stark in den Wirtschafts- und Rechtswissenschaften vertreten. Am stärksten zugenommen hat ihre Zahl in der Medizin, und am geringsten betroffen sind die Geistes- und Sozialwissenschaften sowie die Naturwissenschaften. Sehr deutlich sind auch regionale Unterschiede: An den westdeutschen Universitäten ist die Zahl derer, die diese Grundhaltung teilen oder tolerieren, mit zehn Prozent noch recht niedrig. An westdeutschen Fachhochschulen und ostdeutschen Universitäten sind es dann aber doch 17 Prozent, und an ostdeutschen FH sogar 24 Prozent.

UniSPIEGEL: Was können die Unis tun, um dem Trend entgegenzuwirken?

Bargel: Wichtig ist, dass dieses Problem in den davon stark betroffenen Fakultäten aufgegriffen wird, denn gerade die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler streben häufig in gesellschaftliche Führungspositionen. Nicht nur die Hochschulleitungen, sondern vor allem die Kommilitonen sind gefordert, darauf zu achten, dass sich solche Haltungen nicht weiter verbreiten. Die allermeisten Studierenden sind ja nach wie vor sattelfeste Demokraten.


GEMEINSAM ZU TISCH

Weil die Zahl der Hochschüler an den Unis in Baden-Württemberg stark zurückgegangen ist, wollen die Studentenwerke und Verpflegungsbetriebe Banker, Beamte und andere Berufstätige für ihren Mittagstisch gewinnen. Dass mit den neuen Kunden auch neue Ansprüche zu erwarten sind, hat man im Ländle erkannt. "Die herkömmliche Mensa gehört der Vergangenheit an", sagt Dieter Gutenkunst, Geschäftsführer des Studentenwerks Heidelberg, in dessen Mensen inzwischen pro Jahr rund 200 000 Essen weniger verkauft werden. Statt Essensausgabe am Fließband setzt man demnächst auf individuelle Menüwahl, statt Bratling und Formschnitzel soll es Leckeres aus dem Wok oder vom Grill geben. Da dürfte es die Banker auch nicht stören, dass sie für Speis und Trank etwas tiefer in die Tasche greifen sollen als die hungrigen Studenten.