Leben Es lebe die Kunst
Es gibt entspannendere Beschäftigungen, als fünf Stunden lang still auf einer Kiste zu sitzen, ohne sich bewegen oder sprechen zu dürfen - besonders, wenn Scharen von Museumsbesuchern vorbeiflanieren, den Sitzenden ansprechen, ihm übers Haar streichen oder ihm sogar einen Kuss auf die Wange drücken. Bernd Reiß, 32, Kunstgeschichte-Doktorand aus Frankfurt, hatte trotzdem Spaß an seiner Rolle in der Installation "Superman (characters to be reactivated)" des französischen Künstlers Pierre Joseph. Mit sieben anderen Kunstkomparsen wechselte Superman Reiß sich sechs Wochen lang ab: So lange lief die Ausstellung "Das lebendige Museum" im Frankfurter Museum für Moderne Kunst. "In diesem Umfang hat es das bis jetzt noch nicht gegeben", erklärt der Doktorand, "sonst laufen Kunst-Performances immer nur sehr kurze Zeit." Insgesamt zwölf so genannte performative Installationen waren in der Ausstellung zu sehen. In einigen saßen die Komparsen einfach nur da, in anderen durften sie im Museum umherlaufen oder mussten ununterbrochen Geschirr spülen. Viele der 95 Darsteller sind Studenten, vor allem aus künstlerischen Fächern, aber auch Juristen und Wirtschaftswissenschaftler traten als lebende Kunstwerke auf - für 10 Euro pro Stunde.