Masterwiki hilft Studenten bei Studienplatzsuche - DER SPIEGEL
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Hilfe bei der Master-Suche Zusammen meistern wir das

Nach dem Bachelor beginnt das Chaos: Es gibt nicht genügend Master-Plätze für alle Absolventen - und die Aufnahmekriterien sind oft undurchsichtig. Zwei Studenten haben deshalb eine Internetplattform gegründet, die helfen soll.
Von Hannah König
Lukas Keller und Matthias Ziener haben die Internetplattform Masterwiki gegründet
Lukas Keller und Matthias Ziener haben die Internetplattform Masterwiki gegründet

Lukas Keller und Matthias Ziener haben die Internetplattform Masterwiki gegründet

Foto: Lukas Keller
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Matthias Ziener, 26, hat einen makellosen Lebenslauf: Seinen Bachelor im Fach European Studies hat er in Magdeburg mit 1,3 abgeschlossen. Er war Stipendiat der Stiftung der deutschen Wirtschaft, spricht mehrere Sprachen, war ein Semester im Ausland und hat mehrere Praktika gemacht. Beste Voraussetzungen für eine Master-Bewerbung, dachte Ziener. Er bewarb sich um einen Platz im Studiengang International Business Administration in Frankfurt an der Oder - und wurde abgelehnt. Es war seine einzige Bewerbung, jetzt stand der Vorzeigestudent plötzlich ohne Studienplatz da.

Die Begründung aus Frankfurt: Er habe nicht genügend Punkte im Fach Wirtschaftswissenschaften gesammelt. Ziener war verwirrt, schließlich war VWL im Bachelor sein Hauptfach gewesen. An der Frankfurter Uni werde ein Hauptfach aber erst ab 90 Leistungspunkten anerkannt, teilte ihm die Hochschule mit. "In den Zulassungsbedingungen stand davon nichts", sagt Ziener. Er hatte 85 Punkte.

Es ist ein Problem, mit dem sich viele Studenten herumschlagen: Weil das Angebot an Master-Plätzen geringer ist als die Zahl der Bachelor-Absolventen, müssen die Hochschulen eine Auswahl treffen. Die Aufnahmekriterien sind dabei aber oft undurchsichtig. Immer wieder kommt es deswegen zu juristischem Streit.

Kreative Idee in der Zwangspause

In Zieners Fall halfen die Diskussionen mit der Uni nichts. Er musste ein Semester aussetzen. In der Zwangspause bis zur nächsten Bewerbungsrunde entschied er: Diese Erfahrung will ich anderen Studenten ersparen. Zusammen mit seinem Freund Lukas Keller gründete er deshalb die Internetplattform Masterwiki .

Die Idee des Projekts ist einfach: Aktuelle oder ehemalige Master-Studenten tragen auf der Seite ein, welchen Bachelor sie absolviert haben, auf welchen Master sie sich beworben haben und ob ihre Bewerbung erfolgreich war. Bachelor-Studenten können so herausfinden, ob ihr Studiengang die Voraussetzungen für den Wunsch-Master erfüllt, und sich informieren, für welchen Master sich Studenten mit demselben Bachelor-Abschluss entschieden haben. Wer schon als Abiturient genau weiß, was er will, kann auf der Seite auch sehen, welchen Bachelor er wählen sollte, um später seinen Traum-Master zu erreichen.

30.000 Studiengänge sind auf der Seite gelistet. Etwa 3000 Interessierte besuchen die Plattform jeden Monat. Doch Masterwiki lebt vor allem von den freiwilligen Einträgen anderer Studenten. Die Benutzeroberfläche ist deshalb so einfach und unkompliziert wie möglich gehalten.

Mit nur einem Klick gelangt der Besucher auf die Eingabemaske. Dort wählt er zunächst Land, Stadt, Universität und seinen Bachelor in der Datenbank aus. Außerdem müssen Notendurchschnitt und Abschlusssemester angegeben werden. Wer möchte, kann Details über Schwerpunktsetzung im Studium, Auslandssemester oder Praktika hinzufügen. So wissen die anderen User später, welche Zusatzqualifikationen der Bewerber vorzuweisen hatte. Im nächsten Schritt legt der Nutzer fest, wann er sich wo für welche Master-Studiengänge beworben hat - und ob er angenommen oder abgelehnt wurde. 3200 Wege zum Master sind mittlerweile dort zu finden.

Wer sich ein bisschen durch die Plattform klickt, lernt schnell: Selbst eine Spitzennote ist keine Garantie für einen Master-Platz. Während in manchen Studiengängen - wie Psychologie - fast nur nach Note entschieden wird, zählen in anderen Fächern auch soziales Engagement oder Praktika. Masterwiki hilft den Bewerbern einzuschätzen, woran ihre Bewerbung scheitern könnte. Denn die Universitäten selbst sind oft wenig auskunftsfreudig.

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Dass Ziener aus Frankfurt eine Absage mit Begründung erhalten hat, ist alles andere als üblich. "Bitte sehen Sie davon ab, uns der Angabe von Gründen wegen zu kontaktieren" - diese Antwort musste Lukas Keller nicht nur einmal lesen. Im Gegensatz zu Ziener hatte er vorgesorgt und sich gleich an fünf Universitäten beworben. Auch er hatte beste Voraussetzungen, einen Einser-Abschluss, Berufserfahrung, Auslandssemester. Trotzdem erhielt er von drei Unis Absagen - ohne Begründung. "Bei Onlinebewerbungen wechselt manchmal einfach nur die Maske von Grün auf Rot", erinnert sich Keller, "und das war's".

Bis zu 36.000 Bewerber ohne Master-Platz

In Zukunft könnte es noch schwieriger werden, eine Zusage für einen Master-Platz zu bekommen. Eine Modellrechnung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) zeigt, dass der Bedarf an Studienplätzen in den nächsten Jahren drastisch steigen könnte. Bereits jetzt strömen viel mehr Bachelor-Studenten in ein weiterführendes Studium, als vorausberechnet. Die doppelten Abiturjahrgänge werden dieses Problem noch verschärfen. Bis zu 36.000 Master-Bewerber könnten 2016 deshalb leer ausgehen.

Wichtig sei deshalb vor allem, sich so früh wie möglich über Aufnahmekriterien und Bewerbungsfristen zu informieren, meint Ziener. Er selbst sei damals mehr als blauäugig an seinen ersten Bewerbungsversuch herangegangen. Denn wer sich auf nur eine Bewerbung verlässt, dem kann schnell das gleiche Schicksal blühen wie ihm. Beim zweiten Versuch lief es besser: Der gebürtige Ulmer hat inzwischen sein Master-Studium an der renommierten Universität in Maastricht abgeschlossen und einen Job bei einer großen Internetfirma gefunden. Dass er dort gelandet ist und nicht in Frankfurt - darüber ist er mittlerweile sogar ein bisschen froh.


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