"Millionenshow": Student aus Österreich gewinnt - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Vom Studenten zum Millionär: "Eine Million, i werd narrisch!"

Foto: ORF /Milenko Badzic

Student gewinnt bei Quizshow "Von der Million kriegt keiner was"

Geldmangel kennen viele Studenten. Mathias Stockinger ist diese Sorge los: Der 27-jährige Medizinstudent gewann in der österreichischen Variante von "Wer wird Millionär?". Im Interview erzählt er, was er mit einer Million Euro machen will - und warum er weiterhin bei seiner Mutter leben wird.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
Zur Person
Foto: ORF/ Milenko Badzic

Mathias Stockinger, 27, studiert Medizin in Wien. Der Österreicher steht kurz vor seinem Abschluss - eigentlich wollte er Allgemeinmediziner in einem Krankenhaus werden. Jetzt kommt vielleicht alles anders: Stockinger gewann in der "Millionenshow" eine Million Euro. Die will er nun in seine - bisher kleine - Filmproduktionsfirma stecken.

SPIEGEL ONLINE: Herzlichen Glückwunsch, Herr Stockinger. Sie haben in der "Millionenshow", der österreichischen Variante von "Wer wird Millionär?", eine Million Euro abgeräumt. Sind Sie ein Glückspilz oder ein wandelndes Lexikon?

Stockinger: Beides wahrscheinlich. Ich habe schon eine gute Allgemeinbildung. Ich lese relativ viel. Und tatsächlich habe ich mir, als ich erfuhr, dass ich in der Show sein werde, den einbändigen Brockhaus bestellt. Eine Woche vor Aufzeichnung kam das Lexikon bei mir an, 1200 Seiten. Das habe ich dann von A bis Z durchgelesen.

Hätten Sie's gekonnt?
Foto: ORF/ Milenko Badzic

SPIEGEL ONLINE: Sie haben ernsthaft das gesamte Lexikon durchgelesen?

Stockinger: Ja. Ich habe mir ausgerechnet, dass ich sechs Minuten pro Seite brauche, also 120 Stunden. Das waren dann ungefähr 16 Stunden pro Tag. Also habe ich in der Woche vor der Show von fünf Uhr morgens bis 21 Uhr abends gelesen.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie ein fotografisches Gedächtnis?

Stockinger: Nein, aber beim Lernen ist es so, dass altes Wissen wie ein Netz ist, in dem neue Informationen hängen bleiben. Wenn ich schon weiß, dass es ein Orakel von Delphi gab, dann kann ich mir leichter die Zusatzinformation merken, dass es dem Gott Apollon geweiht war.

SPIEGEL ONLINE: Und dann wussten Sie in der Show alles?

Stockinger: Nein, ich habe gezockt. Die letzten beiden Fragen konnte ich nicht beantworten. Aber ich hatte schon vor der Show entschieden, dass ich immer eine Antwort gebe, auch wenn ich sie nicht weiß. Ich habe also auf Risiko gespielt und alle vier Joker benutzt - ich wäre auf 500 Euro runtergefallen, wenn ich falschgelegen hätte.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben starke Nerven.

Stockinger: Das liegt wahrscheinlich auch am Medizinstudium. Wenn ein Schwerverletzter in den Schockraum eingeliefert wird, muss man als Arzt auch Ruhe bewahren und das machen, was man gelernt hat.

SPIEGEL ONLINE: Wie ging es Ihnen am Morgen danach?

Stockinger: Die Aufzeichnung war schon Mitte Oktober. Meine Schwester hat mich begleitet. Mit ihr hatte ich vereinbart, dass wir es niemandem sagen. Auch unserer Mutter nicht. Wir wollten bis zum Tag der Ausstrahlung die Spannung erhalten, wie einem Kinofilm, da erzählt man das Ende schließlich auch nicht vorher. Gestern haben wir dann mit der ganzen Familie und den Telefon-Jokern zusammen die Show angeschaut.

SPIEGEL ONLINE: Geben Sie Ihrer Familie etwas von dem Geld ab?

Stockinger: Nein, von der Million kriegt keiner was.

SPIEGEL ONLINE: Was wollen Sie mit dem Geld machen?

Stockinger: Ich wusste, dass ich mir das genau überlegen muss, denn die Statistik ist bedrückend: Fast alle Lotto-Millionäre sind nach ein paar Jahren pleite oder haben sogar Schulden. Ich werde das Geld als Startkapital für mein Unternehmen benutzen. Seit drei Jahren habe ich neben meinem Studium eine kleine Filmproduktionsfirma. Die hat aber noch nie Gewinn gemacht. Jetzt will ich da richtig einsteigen, wahrscheinlich auch erst einmal Vollzeit. Die Details muss ich aber noch genau planen. Film ist sehr risikoreiches Geschäft - und ein teures.

SPIEGEL ONLINE: Und was kaufen oder gönnen Sie sich, was Sie sich als Student bisher nicht leisten konnten?

Stockinger: Gar nichts. Das Einzige, was ich mir gekauft habe, waren zwei Hosen, eine Anzughose und eine Jeans. Die haben zusammen 110 Euro gekostet. Und das auch nur wegen der Pressetermine, die jetzt anstehen.

SPIEGEL ONLINE: Sie könnten jetzt ausziehen, sich eine Wohnung kaufen, reisen…

Stockinger: Das möchte ich alles nicht. Ich mache es so wie im Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg: Da haben die Leute gesagt, sie bauen zuerst die Fabriken auf und schlafen so lange in den Fabriken, bis die Häuser wieder stehen. Ich finde, das ist ein sehr gutes Motto für Unternehmensgründer.

SPIEGEL ONLINE: Von wie viel Geld leben Sie sonst monatlich?

Stockinger: Zum Überleben brauche ich null Euro im Monat - ich wohne bei meiner Mutter, im Hotel Mama. Für Miete und Essen muss ich also nichts bezahlen. Nur weil ich finanziell unabhängig bin, konnte ich übrigens so risikoreich spielen.

Die 15 Fragen bis zur Million: Wie weit wären Sie gekommen? Testen Sie sich - klicken Sie hier für die Fragen und Antworten. 

Frage 8: Wurde der Schiefe Turm von Pisa ursprünglich als Wasser- Glocken-, Wehr- oder Leuchtturm errichtet?

Frage 8: Wurde der Schiefe Turm von Pisa ursprünglich als Wasser- Glocken-, Wehr- oder Leuchtturm errichtet?

Foto: FABIO MUZZI/ AFP