Musikerstudenten Ein Revolverheld mit Prüfungspanik
Kulturwissenschaft war nie die Nummer 1 in seinem Leben. Johannes Strate wollte immer die Musik. Die hat er jetzt - als Sänger der Band Revolverheld. Dafür liegt sein Studium auf Eis. Mit dem Plattenvertrag kamen viele Termine: Konzerte, Interviews, Videodrehs. Für die Uni blieb keine Zeit mehr...
"Da habe ich mir fast in die Hose geschissen! Bei meiner mündlichen Zwischenprüfung in Kulturwissenschaften war ich so nervös, wie ich es ewig nicht war. Ich wusste überhaupt nicht, was auf mich zukommt. Wir hatten schon dicke Shows gespielt. Aber das war für mich viel schlimmer. Ein Feld, auf dem ich nicht so sicher war.
Wenn ich auf der Bühne stehe und ein Mikro in der Hand habe, weiß ich, was ich tue. Da kann mir keiner was vormachen. Ganz anders, wenn ich in so einer Prüfung sitze und weiß: Ich habe nur so ein mieses Halbwissen. Die können mich so auseinander nehmen, wenn sie wollen, weil sie den Bereich seit 30 Jahren beackern. Da bin ich zum Glück mit einer Zwei durchgekommen. Das war das Beste im Studium.
Bei Revolverheld ist alles krass. Das ist die wahnsinnig geilste Zeit meines Lebens. Das ist auch der Grund, warum ich jetzt im Urlaubsemester bin. Wir alle würden die Band immer vorziehen.
Die Band ist unser Baby
Am Anfang ging es total gut, als Musik noch Hobby war. Es war schon sehr witzig: Ich habe in den Vorlesungspausen mein Handy rausgeholt, mit Managern, Plattenfirmen und Konzertveranstaltern telefoniert. Ich war morgens drei Stunden in der Uni in Bremen und nachmittags nochmal. Wenn du einen Auftritt spielst, bist du halt nachmittags nicht da. Der Bereich hat sich immer mehr verschoben: immer weniger Studium, immer mehr Musik. Irgendwann war es nur noch Musik.
Bis April 2005 habe ich es noch versucht und sogar die eine oder andere Prüfung gemacht. Erst hatte ich noch die Idealvorstellung: Du lernst im Tourbus und schreibst immer noch eine Klausur ohne Anwesenheitspflicht.
Ich habe auch mal einen wissenschaftlichen Text gelesen und auf dem Hotelzimmer meinen Laptop aufgeklappt. Aber du kannst dich nicht konzentrieren, wenn du eine Show spielen musst. Und wir haben noch nebenher zu tun: Songs schreiben, Interviews, Equipment hier und da.
Im Moment läuft es mit der Band so gut, dass wir ans Studium gar nicht mehr denken. Wir wollen die Band vorantreiben. Das ist unser Baby. Und das ist das, was wir immer machen wollten. Mein Traum ist es, ewig Musik zu machen und damit mein Leben zu leben."
Aufgezeichnet von Jan Hauser
Außerdem in der Woche der Musikerstudenten:
Dienstag: "Vorlesungen waren für mich ein soziales Event - wie ins Kino gehen. Und in den schwierigsten Vorlesungen hatte ich die besten Songideen" - Alex Siedenbiedel, 30, Gitarrist der Donots und BWL-Doktorand.
Mittwoch: "Ich werde nicht mein Leben lang das machen, was ich gerade mache. Ich könnte wieder an die Uni gehen und würde dann gern Zahnmedizin studieren" - Eva Briegel, 28, Juli-Sängerin und Abbrecherin mehrerer Studienfächer.
Donnerstag: "Was verbindet Musik und Physik? Du weißt vorher nie, was passiert, bevor du es nicht im Labor oder im Studio probierst" - Bernhard Wunderlich alias Holunder, 31, Rapper bei Blumentopf und Biophysik-Doktorand.
Freitag: "Mein Studium war eine Katastrophe. Ich dachte, alle wären cool und hören Tocotronic. Leider war das nicht so" - Sebastian Madsen, 25, Sänger bei Madsen und Germanistik-Abbrecher.
Samstag: "Mathematiker sind sehr diszipliniert und gehen immer nach den gleichen Schritten vor. Ich denke zu sehr geradeaus - das ist in der Musik nicht so gut" - Thorben Weiner, 23, Gitarrist bei Pete Blume und Mathe-Student.