Nobelpreisbörse: Hans Blix als Blue Chip - DER SPIEGEL
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Nobelpreisbörse Hans Blix als Blue Chip

Vaclav Havel kaufen? Oder lieber Joschka Fischer? An einer von Frankfurter Wirtschaftswissenschaftlern entwickelten Online-Börse lassen sich künftige Nobelpreisträger wie Aktien handeln. Die frisch gekürte Siegerin Wangari Maathai hatten die Zocker nicht auf dem Schirm - genauso wenig wie die meisten anderen Preisträger.
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Wer von Anfang an sein Kapital in Hans Blix oder Johannes Paul II investierte und bei Handelsschluss am Vorabend der Verleihung des Friedensnobelpreises seine Aktien verkaufte, konnte satte Gewinne einstreichen. Helmut Kohl erwies sich dagegen als lahmes Investment: Seine Aktie lag am Vortag der Verleihung nur knapp über dem Ausgabepreis.

An der Online-Nobelpreisbörse wird heiß über künftige Preisträger spekuliert, in allen Kategorien, von Chemie über Frieden und Literatur bis zu den Wirtschaftswissenschaften. Die Börse ist ein wissenschaftliches Experiment der Goethe-Universität Frankfurt und wie ein konventionelles Börsenspiel aufgebaut. Jeder Mitspieler startet mit einem virtuellen Kapital von 10.000 Euro, das er nach besten Kräften zu vermehren sucht.

"Mit diesen virtuellen Börsen kann man Prognosen über Wahlergebnisse oder den Erfolg von Kinofilmen erstellen, die meistens genauer als traditionelle Umfragen sind", meint Bernd Skiera vom wirtschaftswissenschaftlichen Institut der Universität Frankfurt. Die Hoffnung der Initiatoren: Da man an der Börse für eine möglichst realitätsnahe Einschätzung belohnt wird, wirken sich persönliche Vorlieben für einzelne Kandidaten nicht so stark aus. Der aktuelle Preis eines Kandidaten spiegele die am Markt verfügbaren Informationen wider.

Allerdings scheint sich das komplizierte mehrstufige Vergabeverfahren des Stockholmer Komitees jeder Börsenlogik zu entziehen. Bei den bereits verliehenen Nobelpreisen in Medizin und Chemie lagen die Spieler weit daneben.

Keiner der Medizin-Preisträger wurde an der Online-Börse gehandelt. Ähnlich schlecht die Treffsicherheit bei den ausgezeichneten Chemikern: Von den tatsächlichen Preisträgern wurde nur Avram Hershko an der Nobelpreisbörse vorgeschlagen, schaffte aber seinen IPO nicht. Auch die Schriftstellerin Elfriede Jelinek, frisch gebackene Literatur-Nobelpreisträgerin, hatten die Spieler nicht auf dem Schirm. Die Kenianerin Wangari Maathai, heute mit dem Friedensnobelpreis aufgezeichnet, tauchte ebenfalls nicht in der Liste der Favoriten auf.

Besser lagen die Spekulanten bei den Physik-Preisträgern. Die Aktien der Wissenschaftler David J. Gross, H. David Politzer und Frank Wilczek hatten im Vorfeld der Verleihung rund 50 beziehungsweise 100 Prozent zugelegt.

Eine letzte Chance bleibt erfolglosen Spekulanten noch: Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften wird erst am Montag, 11. Oktober, verliehen. Bis zum 10. Oktober um 18 Uhr darf noch gehandelt werden.

Jan Friedmann

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