Pariser Sorbonne Studienstart mit Polizeikontrollen
Paris/Bordeaux - Nach dem Kampf gegen den Erstanstellungsvertrag für junge Berufseinsteiger hat die Sorbonne-Universität wieder geöffnet. Sechs Wochen lang war sie im Zuge der französischen Studentenunruhen geschlossen geblieben. Zum Start bewachten Polizisten heute den Eingang der traditionsreichen Hochschule im Herzen der französischen Hauptstadt. Eingelassen wurden nur Studenten und Personal mit gültigen Ausweisen.
Am 11. März hatte die Polizei das Gebäude gestürmt und eine dreitägige Besetzung beendet, mit der Hunderte Studenten gegen die Arbeitsrechtsreform der konservativen Regierung von Premierminister Dominique des Villepin protestierten. Seitdem gab es keine Vorlesungen und Seminare. Die Polizei sicherte das Gebäude mit einem Metallgittern und Wasserwerfern. Es war die längste Unterbrechung des Lehrbetriebes im Quartier Latin seit den Studentenunruhen von 1968, als die Sorbonne Zentrum der Proteste gewesen war.
Auf mindestens eine halbe Million Euro taxierte die Hochschulleitung die Sachschäden durch die Besetzung, die während der Osterferien beseitigt wurden. Gelitten hatten unter anderem die Alarmanlage und das Heizsystem. Aber es geht nicht nur um kaputte Fenster, sagte Universitätspräsident Jean-Robert Pitte: "Vor allem das Image der Universität wurde beschädigt", sagte er, "das ist irreparabel."
Studentenvertreter planen weitere Proteste
Nachdem die Regierung im Streit um die Reform des Kündigungsschutzes eingelenkt hatte, begann mit dem Ende der Osterferien in nahezu allen der wochenlang bestreikten Hochschulen der normale Lehrbetrieb wieder. Staatssekretär François Goulard sagte dem Fernsehsender France-2, dass die Abschlussexamen um einige Wochen verschoben werden sollen, in einigen Fällen auch bis September. "Hier oder da könnte es ein paar dutzend Militante aus der extremen Linken geben, die Seminare stören wollen", so Goulard.
Auf dem Sorbonne-Platz forderten unbeugsame Studenten derweil die bürgerliche Regierung auf Flugblättern zur Rücknahme weiterer Arbeitsmarkt-Reformen auf. Und in der weiter teilweise besetzten Universität Bordeaux III kamen am Wochenende Studentenvertreter aus ganz Frankreich hinter verschlossenen Türen zusammen. Eine Sprecherin sagte anschließend, die Beteiligung an den Protesten sei nach der Rücknahme des Erstanstellungsvertrages CPE zwar gesunken. Es habe aber "keinen Sinn aufzuhören".
jol/AFP/AP