Peinliche Prüfungen "Geben Sie mir doch einfach eine Eins"
Sich den Prüfer in Feinripp-Unterhosen vorstellen. Lässig und selbstbewusst auftrumpfen. Besser zu viel als zu wenig reden. Die Liste der Tipps, die einem Freunde vor einer Prüfung geben, ist lang. Leider verrät einem niemand, wie weiche Knie wieder fest werden, wo man seine zittrigen Hände verstecken soll und wie man nur diese absolute Kopflosigkeit in den Griff bekommt.
Die Folge: Prüfungspannen. Aus Versehen den Prüfer geduzt, einen dämlichen Witz gerissen oder vor Schreck einfach gar nichts mehr gesagt - das alles kommt vor.
Es gibt Leute, die in Stresssituationen einen Humor entwickeln, den nur sie selbst lustig finden. Andere bekommen kein Wort heraus, wieder andere schwatzen sich um Kopf und Kragen.
Ela, Ingo, Daniela, Benjamin und Felix verraten, was bei ihrem Examen los war. Und warum ihnen die Geschichten bis heute so peinlich sind.
Ela und die Ohnmacht
Ela, 25, Anglistik:
"Bei meiner Anglistik-Zwischenprüfung bin ich zweimal in Ohnmacht gefallen. Ich stand schon morgens um sieben vor der Tür des Prüfungszimmers, obwohl die Prüfung erst um neun begann. Ich hatte Angst gehabt, ich könnte den Bus verpassen, zu spät kommen und durchfallen.
Als es dann losging, konnte der Prüfer gerade eine einzige Frage loswerden. Von da an habe ich ohne Punkt und Komma geredet und dabei buchstäblich das Atmen vergessen. Zwischenfragen wehrte ich ab mit den Worten: 'Moment, ich muss diesen Satz noch zu Ende bringen!'
Nach einer halben Stunde war die Prüfung durch und ich auch: Mir wurde schwarz vor Augen, ich fiel vom Stuhl und stieß mir den Kopf an einem Metallschrank. Im Nebenzimmer landete ich gleich noch mal auf dem Boden.
Es gab dann übrigens eine 1,5 für die Prüfung. Die habe ich mir mit so viel Körpereinsatz auch echt verdient."
Daniela im Größenwahn
Daniela, 28, Medienwissenschaften:
"Bei mir brach nach der Magisterprüfung in Medienwissenschaften der Größenwahn aus. Das Fach lag mir nicht besonders, ich hatte mir die Standardlektüre dazu reingequält und war froh, dass der Prüfer vor allem Kommunikationsmodelle abfragte, die ich gepaukt hatte.
Nur meine eigene Kommunikation hatte ich dann nicht mehr ganz im Griff. Hinterher fragte mich der Prüfer, welche Note ich mir denn selbst gegeben hätte.
Eine perfide Frage, schließlich will man sich ja nicht selbst runtermachen. 'Naja", erwiderte ich also, "eine Eins vor dem Komma hätte ich da schon gesehen.' 'Seien Sie bescheiden', watschte mich der Prüfer ab. 'Sie bekommen eine Zwei.'
Ob ich eine Eins bekommen hätte, wenn ich mich mit Zwei bewertet hätte? Er hat's mir nicht verraten."
Ingos Flucht nach vorn
Ingo, 25, Betriebswirtschaft:
"'Wie ist eigentlich Ihr Betrieb strukturiert?' Bei dieser Frage des IHK-Prüfers blieb mir kurz das Herz stehen. Ich hatte für meine Abschlussprüfung zum Betriebswirt zwar einiges über Betriebsmodelle gelernt, aber blöderweise nicht daran gedacht, meinen eigenen Laden mit den Modellen zu vergleichen.
Da half nur die Flucht nach vorn: Ich beschrieb den Herren einfach irgendeine Betriebsstruktur, an die ich mich noch erinnern konnte. Der Trick hat mich gerettet, es kam sogar eine gute Note dabei heraus.
Nur der Kollege, der nach mir geprüft wurde, war danach nicht mehr so gut auf mich zu sprechen. Sie stellten ihm dieselbe Frage wie mir, und er kannte unsere Betriebsstruktur. Daraufhin bekam er eine schlechtere Note. Die Begründung der Prüfer: "Ihr Kollege hat doch eben etwas völlig anderes erzählt!"
Felix benutzt erlaubte Hilfsmittel
Felix, 26, Betriebswirtschaft:
"Ich glaube, über mich lachen die BWL-Prüfer heute noch. Ich war sehr nervös am Vorabend der Prüfung, hatte gelernt, bis ich absolut nichts mehr in den Schädel bekam.
Dann habe ich, weil ich nicht einschlafen konnte, noch ferngesehen bis spät in die Nacht. Nun darf man bei BWL-Prüfungen einen Taschenrechner benutzen, falls man Zinsaufgaben oder so gestellt kriegt.
Die Prüfer nahmen Platz, ich legte alle erlaubten Hilfsmittel auf mein Pult und merkte selbst da noch nicht, dass ich versehentlich die Fernbedienung eingepackt hatte. Das fiel mir erst auf, als ich die erste Aufgabe eintippte und mich dann vergeblich nach dem Display suchte. Die Prüfung habe ich natürlich vergeigt."
Benjamin versetzt seinen besten Freund
Benjamin, 27, Geschichte:
"Ich habe verschlafen. Das klingt erstmal langweilig. Nur: Ich war noch nicht einmal Prüfling, sondern Beisitzer für meinen besten Freund Tobi.
Ich sollte ihn mit dem Wagen abholen und dann mit ihm zur Uni-Bibliothek fahren. Dort sollte die Prüfung in der Handschriften-Abteilung stattfinden. Zwanzig Minuten vor der Prüfung rief er mich an und schmiss mich damit aus dem Bett. Ausgeschlossen, dass wir es noch pünktlich schafften.
Weil Tobi unbedingt einen Beisitzer brauchte, schleifte er seinen zugekifften Mitbewohner in die Uni. Übers Handy erweichte er den Prüfer, noch eine Viertelstunde zu warten. Und er bestand sogar die Prüfung. Die Unterschrift des Beisitzers war unlesbar, aber das störte nicht weiter.
Ich hatte in der Zwischenzeit versucht, die Eingangskontrolle der Bibliothek mit dem Schrei 'Ich muss sofort in die Handschriften-Abteilung!' zu durchbrechen. Erfolglos natürlich, und so hockte ich zerknirscht vor der Tür. Beste Freunde sind wir übrigens immer noch."