Plakatwettbewerb Ein Kind im Spind
Er liebt mich, er liebt mich nicht, er liebt mich - in Goethes Faust versucht Gretchen diese Frage mit einem Blumenorakel zu klären. Sie steht im Garten und zupft einer Blume Blütenblatt für Blütenblatt aus. Am Ende kommt heraus: Faust liebt sie.
Ein solches Blumenorakel kann auch für andere Fragen nützlich sein - das dachte sich die Design-Studentin Irina Vidiborskaia von der Fachhochschule Mainz. Sie entwarf ein Plakat, auf dem eine Margerite Antwort auf die Frage "Kind oder Studium?" geben soll.
Vidiborskaia ist eine von 250 Design-Studentinnen und -Studenten, die am 21. Plakatwettbewerb des Deutschen Studentenwerks teilgenommen haben. Insgesamt 400 Entwürfe wurden eingereicht. Das Studentenwerk suchte diesmal Vorschläge zum Thema: "Kinder? Kinder!" Die Studenten sollten ihre Vorstellungen von einem familienfreundlichen Studium zu Papier bringen.
Kind oder Studium? Studium oder Kind? Der Jury gefiel Vidiborskaias Entscheidungsblume so gut, dass sie sie zur Siegerin des Wettbewerbs erklärten. Die Studentin durfte sich bei der Preisverleihung im Museum für Kommunikation Berlin über 2000 Euro Preisgeld freuen. "Außerdem wird ihr Entwurf nachgedruckt und vielleicht schon bald in Mensen, Ministerien und Arbeitsagenturen zu sehen sein", so Stefan Grob, Sprecher des Deutschen Studentenwerks (DSW).
Viele Ideen enthielten bunte Buchstaben
Das DSW ist der Dachverband der 61 lokalen Studentenwerke in Deutschland, die für die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Förderung der Studenten zuständig sind. Jedes Jahr liefern Design-Studenten Entwürfe zu einem neuen Motto. "Chancengleichheit - gleiche Chancen?" oder "Vom Hörsaal in den Job" oder "Das ideale Studium" - die Themen passen stets zum Uni-Alltag. Das Bundesbildungsministerium unterstützt den Wettbewerb. Kürzlich wurde ein Buch zum Thema "20 Jahre Plakatwettbewerb" herausgegeben. Über 4200 Werke wurden bisher eingereicht.
In diesem Jahr erhielt die Jury viele Entwürfe mit Kinderbildern oder Briefen: Auf dem Plakat von Christian Fries und Christian Peters ist eine Tafel mit mathematischen Formeln und bunten Kinderzeichnungen zu sehen. "Platz für beides", heißt ihr Werk. Damit belegten die beiden den zweiten Platz und bekamen 1000 Euro Preisgeld.
Ebenfalls ein Kinderbild reichte Anika Frank, Studentin an der Hochschule Wismar, ein: Eine Sonne und der Satz "Du schaffst das Mami" sollen einer Examenskandidatin Mut machen. Mike Klar von der Bauhaus-Universität Weimar schrieb mit Kinderschrift Namen in die Wörter Mathematik, Philosophie und Politik - und zeigte so, dass auch Sophie, Oli und Emma zum Universitätsleben gehören. Klar und Frank gewannen beide jeweils einen dritten Preis.
"Nicht mitnehmen! Mama kommt gleich wieder"
Sarah Wöhler von der Hochschule Mannheim dachte über das Thema Kinder und Platz an der Uni nach - und setzte dann kurzerhand ein Baby in einen Spind. Das Kind sieht sehr hilflos aus, vielleicht wäre es in einer Kita besser aufgehoben? Für ihre Idee bekam Wöhler einen dritten Preis und 500 Euro Preisgeld. Auch Sonja Müller kam auf die Idee, ein Schließfach auf ihr Plakat zu drucken. "Kindertagesstätte?" steht darunter.
"Es war ein guter Jahrgang. Die Jury war mutig genug, auch ein paar kritische Plakate mit Preisen zu beehren", sagte DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde bei der Preisverleihung. Besonders die provozierende Arbeit von Barbara Stehle, die einen zweiten Preis gewann, gefiel ihm gut. Die Studentin von der Staatlichen Akademie für Bildende Künste Stuttgart klebte einem Kind einen Notizzettel auf den Rücken, auf dem steht: "Nicht mitnehmen! Mama kommt gleich wieder". Neben das Schwarz-Weiß-Bild schrieb sie: "Irgendwie geht's immer."
Die Plakate der Preisträger und 24 weitere Entwürfe gehen ab heute auf Deutschland-Tour. "Die Plakate werden in den Unis und Hochschulen hängen", sagt Stefan Grob. Die erste Station ist Frankfurt Oder.
"Fit durchs Studium", lautet das Motto des nächsten Wettbewerbs. Die Teilnehmer sollen sich diesmal Gedanken darüber machen, wie Studenten den Full-Time-Job Uni bewältigen und nebenbei noch arbeiten. Wie gehen sie mit dem Stress um? Reicht es, sich körperlich fit zu halten? Wie wichtig ist eine schöne Wohnung? Welche Rolle spielt eine gesunde Ernährung? Die Plakate dürfen lebensnah, abgehoben, abstrakt, verträumt oder provozierend sein. Sie müssen bis zum 3. Dezember eingereicht werden.