Princeton Preisoffensive mit Taschenspieler-Trick
Princeton - Ob sie tatsächlich Geld gespart haben, ist manchmal für Kunden weniger wichtig als der gefühlte Triumph, ein gutes Geschäft gemacht zu haben. So dachte man wohl auch an der Universität Princeton und kündigte mit dem Gestus eines mildtätigen reichen Erbonkels an, dieses Jahr auf die Anhebung der Studiengebühren zu verzichten - immerhin zum ersten Mal seit 40 Jahren.
"Wir wissen, dass die Leute besorgt sind um die hohen Kosten, die sie für die College-Ausbildung ihrer Kinder zahlen müssen", sagte Robert K. Durkee, Geschäftsführender Unidirektor in Princeton, der "New York Times". Dank starker Rückflüsse aus Investitionen, großzügiger Alumni-Spenden und steigender Studentenzahl bleibe die Jahresgebühr für das Studienjahr 2007/2008 beim Vorjahreswert. Das sind stolze von 33.000 US-Dollar (25.430 Euro) pro Jahr, also nicht gerade ein Schnäppchen.
Was in PR-Texten der Privat-Universität und amerikanischen Zeitungsberichten nach vorbildlicher Fürsorge fürs Portemonnaie der studentischen Kundschaft klingt, hat allerdings einen Haken - einen großen sogar. Denn gleichzeitig erhöht die Elite-Hochschule die Kosten für Unterkunft im College inklusive Verpflegung um satte 19 Prozent auf 10.980 Dollar. Die Gesamtkosten steigen damit für einen Undergraduate-Studenten, der auf dem Campus wohnt, um 4,2 Prozent, also fast so viel wie die Erhöhungen der Vorjahre ist. Insgesamt sind für das akademische Jahr damit 43.980 Dollar (33.900 Euro) fällig. "Wir sind froh, dass wir nun Preise für Kost und Unterkunft berechnen können, die näher an den tatsächlichen Kosten sind", kommentierte Hochschulleiter Christopher Eisgruber.
Die Ankündigung, auf eine Gebührenerhöhung zu verzichten, trifft den Nerv einer langjährigen Diskussion in den USA. Denn schon seit Jahren kritisieren Bildungsexperten und Studenten, dass alljährlich die Gebühren an amerikanischen Unis deutlich stärker ansteigen als die Inflationsrate. Die Hochschulen begründen das mit steigenden Ausstattungs- und Verwaltungskosten. Die Studenten zwickt die Angst vor Verschuldung, nicht wohlhabende Familien können es sich kaum leisten, ihr Kind an einer teuren Hochschule studieren zu lassen.
Protzen mit Warhol-Museum und Gehry-Tempel
In einem Bericht vom September 2006 kritisierte die staatliche "Commission of the Future of Higher Education", dass es wenige Anreize für amerikanische Unis gebe, kosteneffizient zu operieren. Gerade die reichsten Institutionen seien besonders verschwenderisch, wenn es etwa um neue Fitness-Center auf dem Campus oder um luxuriöse Wohnheime gehe.
Princeton beispielsweise beauftragt regelmäßig Star-Architekten wie Frank Gehry damit, neue Bibliotheken, Labore oder Studentenunterkünfte zu entwerfen. Teuer sind auch Neuanschaffungen für das Kunstmuseum auf dem Campus mit Werken von Monet bis Warhol. Die US-Unis streuen zwar allerhand Stipendien unters Studentenvolk. Die Kommission kritisierte aber, dass die Regelungen zu Stipendien und anderen finanziellen Vergünstigungen für Studenten zu kompliziert seien.
Princeton zählt mit einem Stiftungsvermögen von 13 Milliarden Dollar (10 Milliarden Euro) zu den reichsten Bildungsstätten der Welt, ist aber gleichzeitig für die Studenten eine der teuersten. Die Gebühren befanden sich nach eigenen Angaben der Hochschule jedoch in den vergangenen zehn Jahren unter dem Durchschnitt der hoch angesehenen "Ivy League"-Bildungsstätten.
Laut einer Erhebung der US-Behörde "College Board" stiegen an privaten Hochschulen im laufenden akademischen Jahr die Gebühren durchschnittlich um 5,9 Prozent, während staatliche Hochschulen 6,3 Prozent mehr verlangten. Von 1995 bis 2005 stiegen die durchschnittlichen Studiengebühren inflationsbereinigt um 36 Prozent an privaten und um 51 Prozent an staatlichen Hochschulen.
An den Universitäten in den USA gelten die Gesetze eines Bildungsmarktes. Und dieser Markt gibt auch horrende Studien-Tarife her. So muss man sich auch in New Jersey kaum Sorgen machen, dass der Studenten-Zustrom zu einem Rinnsal wird - derzeit erhält nur einer von zehn Bewerbern einen der begehrten Studienplätze in Princeton.