Professoren: "Das Hochschulsystem steht vor dem Absaufen" - DER SPIEGEL
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Professoren "Das Hochschulsystem steht vor dem Absaufen"

Deutschlands Uni-Professoren sind sauer. Die Politik speise die Unis mit "Billiglösungen" ab, das Hochschulsystem stehe vor dem "Absaufen". Lehrprofessoren und Lecturer halten sie für Teufelswerk.
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Keine Frage, bei den Professoren hat sich ordentlich etwas angestaut. Zum jährlichen Hochschulverbandstag des Deutschen Hochschulverbands (DHV) in Bremen haben viele von ihnen ihre professorale Gelassenheit abgelegt. "Wenn Bund und Länder mit ihrer Politik so weitermachen, werden wir schon in wenigen Jahren den bildungspolitischen Offenbarungseid leisten müssen", wettert DHV-Präsident Bernhard Kempen, "Deutschland braucht vor allem mehr Professoren, um das zahlenmäßige Verhältnis von Studierenden pro Professor von 60:1 zu verbessern." Mit der aktuellen Relation seien die Unis "international nicht konkurrenzfähig".

Glaubt man den Resolutionen, die die Delegierten der Professoren-Lobby diskutieren, kann nur die massive Rückbesinnung auf traditionelle akademische Werte den Hochschulstandort Deutschland retten. Aktuelle Vorschläge wie die Einrichtung von Lehrprofessuren, die etwa der Wissenschaftsrat kürzlich angeregt hatte, sind für die DHV-Delegierten nicht akzeptabel. Diese sollen nach Ansicht des Wissenschaftsrats zwölf statt wie bisher acht oder neun Semesterwochenstunden lehren.

Auch der Einstellung von sogenannten Lecturern zur Erhöhung der Ausbildungskapazitäten wollen die Professoren nur als befristete Maßnahme zustimmen: "Das kann die Schaffung zusätzlicher Professuren nicht ersetzen", sagt Bernhard Kempen. Seit 1995 seien bundesweit 1500 Professuren eingespart worden, und die müssten wieder eingerichtet werden. Lecturer dagegen - Lehrkräfte, die ausschließlich zum Unterrichten eingesetzt werden - seien zwar kostengünstig, könnten "eine hochwertige und sich ständig aus der Forschung erneuernde Lehre" aber nicht bieten.

Forschungsfreisemester? Ja bitte!

Dass die Hochschullehrer den Uni-Unterricht ganz anders als die Forschung bewerten, betonen sie in der Resolution mit dem Titel "Exzellenz der Lehre". "Universitätsprofessoren, die ganz überwiegend oder ausschließlich mit Lehraufgaben betraut sind, verdienen diesen Namen nicht", heißt es da in aller Deutlichkeit, "weil sie dem hohen Anspruch eines Amtes, das sich gleichermaßen über Forschung und Lehre definiert, nicht gerecht werden." Auf der anderen Seite aber, so die Professoren weiter, schließe die viel zitierte "Einheit von Forschung und Lehre nicht aus, dass hervorragende Forscher für kürzere Zeiträume vollständig und für längere Zeiträume in nennenswertem Umfang von ihrer Lehrverpflichtung befreit werden".

Könnte man solche Aussagen nicht böswillig so interpretieren, dass die Lehre offenbar als lästiges Beiwerk der forscherischen Freiheit verstanden wird? "Auf keinen Fall", sagt Bernhard Kempen. Im Gegenteil, die Professoren selber seien daran interessiert, dass ihre Lehr- und Forschungsqualifikation gleichberechtigt für eine Karriere als Professor zähle, damit das "Ungleichgewicht von Forschung und Lehre innerhalb der Universitäten" ein Ende habe. Nur werde sich "ohne zusätzliche finanzielle Anreize, exzellente Lehre auszuzeichnen" - leider - "eine Qualitätsverbesserung auf Dauer nicht bewerkstelligen lassen".

Und Peter M. Huber, Vorsitzender des Deutschen Juristen-Fakultätentags, konstatierte unter Beifall: "Weniger Lehre führt zu besserer Lehre" - denn schließlich müsse man bei vier oder fünf Semesterwochenstunden nur das unterrichten, was man wirklich gut könne. Mit den in den meisten Bundesländern üblichen neun Stunden an Lehrverpflichtung für Uni-Professoren pro Woche sei für ihn "eine Schmerzgrenze" erreicht, so Huber: "Wenn Sie einem Professor aus den USA sagen, er müsse hier neun Stunden pro Woche lesen, dann kommt er gar nicht erst."

Derzeit gibt es in Deutschland rund 24.000 Universitäts-Professoren. Mit seinen 22.300 Mitgliedern - darunter auch Nachwuchsforscher und Professoren im Ruhestand - vertritt der Deutsche Hochschulverband einen Großteil von ihnen.