Professur gerettet: Siechen Dank an Griechenland - DER SPIEGEL
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Professur gerettet Siechen Dank an Griechenland

Wenn es nicht gerade um Rehakles geht, können Griechen sehr großzügig sein. Die griechische Regierung sponsert jetzt sogar eine Professur in Berlin - die klamme Freie Universität konnte sich die Neogräzistik nicht mehr leisten und staunt über ein unverhofftes Hellenen-Geschenk.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Immer neue Spartornados tosen über die Berliner Hochschulen hinweg, mal ducken sich die Rektoren, mal stemmen sie sich gegen den Wind - vergebens, der rot-rote Senat lässt sich von seinen Kürzungen nicht abbringen. Besonders die drei großen Unis werden geschrumpft, dass Hochschullehrern wie Studenten Hören und Sehen vergeht.

Bereits in den letzten zehn Jahren mussten sie mächtig fasten. Allen Protesten zum Trotz sollen Freie, Technische und Humboldt-Universität nun abermals jede fünfte Professur kappen. Bis 2009 stehen rund 230 Professorenstellen und rund 1500 weitere Uni-Arbeitsplätze auf der Streichliste. Wie viele der bis dato 85.000 finanzierten Studienplätze - bei real 140.000 Studenten - futsch sein werden, ist umstritten: Die Rektoren beziffern den Verlust auf 10.000 Plätze, Wissenschaftssenator Flierl geht von weit weniger aus.

Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch. Und manchmal naht es sogar aus entfernteren Ländern. Zum Beispiel aus Griechenland. Noch ist Hellas von Sinnen, schwenkt weiß-blaue Flaggen und preist die unerschöpflichen Weisheiten von König Rehakles I., da eilt auch schon ein griechischer Emissär der moribunden Freien Universität Berlin zu Hilfe. Dort wackelte die Professur für Neugriechisch gewaltig und drohte durch die Sparvorgaben zu kippen. Doch Griechenlands Regierung war zur Stelle: Wie die FU stolz berichtet, unterzeichneten am Dienstag Rektor Dieter Lenzen sowie Botschafter S.E. Dimitrios Kypreos (das Kürzel steht für Seine Exzellenz, Platz für die korrekte Anrede muss auch in einer Pressemitteilung sein) einen Sponsorenvertrag.

Böse Worte über die Geisteswissenschaften

Neogräzistik wird also fortan durch Griechenland finanziert. Dieter Lenzen bezeichnete das als "Sonderfall, der vielleicht auch die Dramatik deutlich macht: Wir sind also in dieser Stadt bereits in einer Situation, dass wir uns aushalten lassen müssen. Das ist nicht nur peinlich, sondern natürlich hier dramatisch."

Der FU-Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaft zählt mit bis dato 70 Professoren zu den Riesen an den deutschen Hochschulen und muss künftig einen Aderlass von 18 Professuren verkraften. Verwaltungsleiter Matthias Dannenberg freut sich deshalb besonders über den Pakt mit den Griechen: "Damit haben wir die Bandbreite unserer philologischen Ausbildung erhalten können."

Bei den Debatten über die Sparbeschlüsse war der Senat entschlossen, vor allem die traditionell wirtschaftsfernen Fächer zu fleddern. "Ein steigender Anteil der Abiturienten drängt in die Fächer, die weniger relevant sind für den Wirtschaftsstandort und die nicht zu den produktiven gehören", gab Finanzsenator Thilo Sarrazin im "Tagesspiegel" zu Protokoll, "es geht um die Konzentration knapper Mittel auf Aktivitäten, die für den Standort besonders wichtig sind." Und aus seiner Sicht zählen Germanistik, Theaterwissenschaften oder Byzantinistik eher nicht dazu.

Für Philologie kein Platz am Futtertrog?

Hochschullehrer an der FU schätzen das ganz anders ein und wehrten sich nach Kräften. Stärker bluten als andere Fachbereiche sollten die Geistes- und Sozialwissenschaften nicht, weil gerade sie das Profil der Freien Universität im Vergleich zu den Rivalen von der Technischen Universität und der Humboldt-Universität ausmachen. "Dass sich ein Finanzsenator für die Strukturplanung der Hochschulen zuständig erklärt, ist schlicht ein Unding", zürnt Matthias Dannenberg. Und hält Sarrazin entgegen: "Die vitale Szene, die vielen Arbeitsplätze unserer Absolventen im kulturellen Bereich prägen Berlin. Das ist höchst relevant!"

Anwürfe wie die des Finanzsenators scheinen bei den Geisteswissenschaftlern der FU Berlin einen gewissen Kampfgeist zu wecken. Den drohenden Einschnitten wollen sie Paroli bieten. "Natürlich stehen wir unter Druck, aber nichts wäre schlimmer, als jetzt den Kopf in den Sand zu stecken oder uns im Elfenbeinturm zu verkriechen", findet Dannenberg, "ein ständiges Lamento hat doch gar keinen Zweck." Wie seine Fachbereichskollegen ist er stolz darauf, dass die Geisteswissenschaften "keineswegs chancenlos" beim Gedrängel um Drittmittel mitmischen - sie hätten inzwischen einiges an Stiftungsprofessuren und Drittmittelprojekten an Land gezogen.

Not macht erfinderisch, weiß Matthias Dannenberg und sieht den Erhalt der Professuren am Institut für Griechische und Lateinische Philologie als Aufbruchsignal: "Da haben wir einen kleinen Coup gelandet, das erlebt man nicht alle Tage."