Protest gegen Sparpläne Uni-Chefs sagen Arrividerci Roma
Bereits im November hatten die Rektoren der staatlichen Universitäten Italiens mit einem Massenrücktritt gedroht. Nun machen sie Ernst: Die 72 Rektoren nehmen gemeinsam ihre Hüte. "Das Land muss den Ernst der Lage erkennen. Die Hochschulen sind am Rande des Kollaps", sagte Piero Tosi, Präsident der italienischen Hochschulkonferenz, zur Begründung. "Wenn es keine Wende in der Regierungspolitik gibt, können die Universitäten nicht mehr länger als drei Jahre überleben", warnte er am Dienstag in Rom.
Ähnlich wie in Deutschland macht der EU-Stabilitätspakt auch der italienischen Regierung zu schaffen. Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte vor einigen Wochen massive Einschnitte bei den Staatsausgaben angekündigt, auch an den Universitäten. Nach erheblichen Protesten sah es zunächst nach einer Wende aus; im neuen Haushalt sollte es 350 bis 400 Millionen Euro zusätzlich für die Hochschulen geben.
"Klarer Wille, die Unis auszuhöhlen"
Deshalb sprach Berlusconis Mitte-Rechts-Regierung jetzt von einer "verfrühten Entscheidung", denn für die Unis seien bereits neue Gelder ins Auge gefasst. Doch die Rektoren schluckten die Beruhigungspille nicht und klagten die Regierung an: "Es scheint, als gäbe es einen klaren Willen, die italienischen Universitäten auszuhöhlen", so Piero Tosi. Die Lage der Lehre und der Forschung sei schlicht nicht mehr tragbar. Der Rektoren-Sprecher drohte mit einem Boykott von Vorlesungen und Seminaren.
An Italiens Hochschulen rumort es bereits seit Jahren: Die Studenten klagen über chaotische Zustände, überfüllte Hörsäle und zu wenige Professoren, vor allem an den großen Unis wie in Rom und Mailand. Auch in der Forschung falle Italien im internationalen Vergleich immer weiter zurück, mahnen Experten.
Wie in Deutschland wandert auch Italiens akademischer Nachwuchs ins Ausland ab und sucht dort seine Chance. Schon beim Generalstreik Mitte Oktober waren zahlreiche Wissenschaftler dabei und wiesen auf die prekäre Lage an ihren Universitäten hin.