Proteste an der Uni Kiel: Ein Lichtlein angeknipst - DER SPIEGEL
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Proteste an der Uni Kiel Ein Lichtlein angeknipst

Dunkel blieb es in den Kieler Hörsälen Kiel nicht. Im Gegenteil: Unter dem Motto "An der Universität dürfen die Lichter nicht ausgehen!“ trafen sich 2000 Menschen zu einer 12-stündigen Protestveranstaltung. Die Hochschule wehrt sich nach Kräften gegen drastische Einsparungen.
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Die Kieler Bürger haben mit Hörsälen und Studentenpartys zumeist nichts am Hut. Trotzdem zog es am Mittwochabend doch noch einige zu später Stunde in die Hörsäle der Christian-Albrechts-Universität. Diesmal gab es ja auch ein besonderes Angebot: Bei Würstchen und Bier protestierten Studenten, Professoren und Angestellte von 19 Uhr abends bis morgen um sieben mit Nonstop-Vorträgen gegen die schlechte finanzielle Lage.

Rund 2000 Menschen lauschten den Vorträgen zu Themen wie "Das Liebesleben der Blattläuse“ oder "Umgang mit Depressionen“. Und Rektor Reinhard Demuth hatte auf seine Anfrage sogar mehr Beiträge von seinen Professoren bekommen, als er überhaupt berücksichtigen konnte: "Ich freue mich sehr, dass sich unsere Professorinnen und Professoren so mit Ihrer Hochschule identifizieren.“

Die Idee für die Aktion hatte die AStA-Vorsitzende Birte Dammann: "Wir wollen mit dieser Aktion zeigen, dass das Engagement für unsere Hochschule auch während der Semesterferien nicht nachlässt. Wir machen weiter…“

Ganze Studiengänge sind gefährdet

Anlass für diesen Nonstop-Nacht-Protest war abermals die desolate Finanzlage der Universität. Der Senat hatte für das Haushaltsjahr 2003 ein Defizit von 13,2 Millionen errechnet. Einsparmaßnahmen sind nun die Folge. Die Zulassungszahlen der Numerus-Clausus-Fächer werden um 14 Prozent reduziert, neue Master-Studiengänge wird es auch nicht geben. Zudem verzichtet die Uni Kiel auf neue Geräte wie Computer oder Laborausstattung, sogar die Haushalte der Fakultäten wurden gesperrt. Die Betreuung studentischer Praktika und Tutorien sowie der Bestand der Bibliotheken sind damit gefährdet.

Zwar sind diese Maßnahmen bis zum 30. Juni befristet, für die Universität ist die Situation jedoch katastrophal. Nicht nur finanziell sei die Lage dramatisch, sondern inzwischen sei auch eine negative psychologische Wirkung eingetreten, meinte Rektor Demuth. "Die Universität lebt durch und von dem herausragenden Engagement ihrer Mitglieder für Forschung und Lehre – wird diese Motivation zerstört, dann sind wir wirklich am Ende.“

Ein qualitativ anspruchsvolles und quantitativ ausreichendes Studienangebot kann unter diesen Umständen kaum mehr garantiert werden. Die Personalkosten der Kieler Uni sind nur zu 86 Prozent gedeckt. Die Leistungsfähigkeit vieler Bereiche ist massiv beeinträchtigt. Die Universität befürchtet sogar, dass Studiengänge ganz eingestellt werden müssen und sich die Ausbildung ihrer Studenten rapide verschlechtert.