Rockmusik Kosmos fürs Spätprogramm
Nach dem letztjährigen Erfolg mit "Because of the Times" bewegen sich die Gebrüder und Vettern Caleb, Matthew, Jared und Nathan Followill weiterhin traumwandlerisch sicher in ihrem scheinbar grenzenlosen Klangkosmos, der nach den Sternen greifen will:
Southern Rock und Blues mit Siebziger-Jahre-Einschlag und viel Hall, der in seinen besten Momenten im Bewusstsein des Hörers ganze Stadionpanoramen zum Leben erweckt.
"Closer" zum Beispiel wäre wie gemacht für den Beginn eines Arena-Konzerts aus alten Zeiten, weil das Cinemascope-Breitbild aus dramatischem Gesang, Echo und abgehobenen Gitarren-Teppichen akustischer Größenwahn einerseits und Verbeugung vor Prog-Rock-Helden andererseits ist. Das starke "Crawl" klingt anschließend wie ein etwas treibenderer Zwilling von "Closer", und das erwähnte "Sex on Fire" steigert den Spannungsbogen noch weiter - doch letztendlich nie weit genug, um aufzuschrecken.
Denn je länger die Reise auf "Only by the Night" fortschreitet, desto mehr vermisst man doch den raueren Sound und den Vorwärtsdrang ihrer frühen Tage auf "Youth and Young Manhood" (2003). Verhaftet im Midtempo, fehlt der Funke zur Zündung der nächsten Stufe, und so schön die Ballade "Revelry" oder der Weihnachtsglockenrocker "17" auch klingen, hätte etwas mehr Dynamik und Abwechslung den Kings of Leon bei allen songschreiberischen Qualitäten gutgetan.
Wer sich aber ein Rockalbum zum Nachdenken oder zum Verbringen später Stunden - zu zweit? - gut vorstellen kann, der sollte "Only by the Night" mal probehören. Am besten bei Nacht.