Rumtreiber Immer auf dem Sprung
Eddy Joe Cotton ist 19 Jahre alt, als er am 24. Oktober 1991 nach einem Streit seinen Hippie-Vater in Denver (Colorado) verlässt - und auf einen Güterzug springt. Abhauen, nur um fort zu sein, unterwegs sein, nur um nicht anzukommen. Zehn lange Jahre lässt sich Eddy durch den weiten Westen der USA treiben, meist auf Zügen, immer die Nase im Fahrtwind. Mal arbeitet er, mal nicht. Er zieht durchs Land wie die so genannten Hobos, jene Wanderarbeiter von vor über 100 Jahren. Nach Mexiko, seinem Ziel, das er als Postkartenmotiv stets bei sich trägt, kommt er nie. Er erliegt dem Sog grenzenloser Freiheit und erlebt "dort draußen" Momente quasi-religiöser Erhabenheit. Doch der Preis ist hoch: Das Leben auf und neben den Gleisen ist gefährlich, in der losen Gemeinschaft mit anderen Rumtreibern wimmelt es von Trinkern, Kriminellen, Verrückten. Oft quälen Eddy der Hunger, der Dreck, die Hitze und die Kälte. "Armut hat nichts Romantisches. Sie bringt einem nur bei, dass jeder auf sich selbst gestellt ist", lautet eine seiner Erkenntnisse. Cotton ist eine unterhaltsame Mischung aus Reisebericht, Bildungsroman und Abenteuerlektüre geglückt. Seine Sprache ist wie das Leben, das er beschreibt: einfach, aber deftig. Und unterwegs ist er noch immer: Heute tourt er mit der Yard Dogs Road Show, einer Mischung aus Rock- und Varieté-Spektakel, von San Francisco aus durchs Land.
JOACHIM MOHR
Eddy Joe Cotton: "Train Days. Auf Güterzügen durch die Weiten Amerikas". Malik Verlag, München; 316 Seiten; 19,90 Euro.