Schwundbilanz Jeder vierte Student gibt auf
Die Zahl der Studienabbrecher hat nach einer Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS) zugenommen. An Deutschlands Universitäten lassen 26 Prozent der Studenten ihren Abschluss sausen, an den Fachhochschulen 22 Prozent - jeweils zwei Prozent mehr als bei der letzten Erhebung vor drei Jahren. Die HIS-Forscher bezeichneten das als "keine wesentliche Verschlechterung".
HIS beschäftigt sich seit Jahren mit dem Phänomen Studienabbruch und berechnet die "Drop-Out-Quoten" im Auftrag des Bundesbildungsministeriums. Die neuen Daten beziehen sich auf die Studienanfänger-Jahrgänge zwischen 1995 und 1997. Sie helfen der OECD bei ihren Untersuchungen zur Qualität der Bildung in den Industriestaaten.
Fächer, die bereits als Bachelor- und Masterstudiengänge angeboten werden oder ähnlich straff strukturiert sind, schnitten bei der HIS-Untersuchung gut ab. Viele konnten sich im Vergleich zum Jahr 2002 sogar verbessern. So strichen im Fach Pharmazie nur zwölf Prozent der Studenten vorzeitig die Segel (2002: 17 Prozent), bei den Medizinern acht Prozent (2002: 11 Prozent). Bei den angehenden Juristen sank die Abbruchquote gar von 27 auf 16 Prozent. Einen leichten Rückgang meldeten die Forscher auch in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.
Einbruch bei Mathematik und Kulturwissenschaften
Ganz anders sieht es dagegen in einigen naturwissenschaftlichen Fächern aus. So stieg die Abbruchquote in Chemie von 23 auf 33 Prozent, in Physik von 24 auf 30 Prozent. Ihr Mathematikstudium brachen 2004 mehr als doppelt so viele Studenten ab wie 2002 - 26 statt 12 Prozent.
Als Hauptgrund nannte HIS in den Naturwissenschaften die oftmals falschen Erwartungen der Erstsemester. In den Sprach- und Kulturwissenschaften, die mit 45 Prozent eine konkurrenzlos hohe Abbrecherquote verzeichnen, liege es eher an der offenen Struktur der Studiengänge.
In mehreren detaillierten Untersuchungen hatte HIS bereits zuvor die Beweggründe der wankelmütigen Studenten unter die wissenschaftliche Lupe genommen. Von Uni-Frust und überfüllte Hörsälen über Probleme bei der Studienfinanzierung und unklare Berufsaussichten bis zum Scheitern bei Prüfungen - meist kommen mehrere Ursachen zusammen.
Bulmahn hofft auf Bachelor und Master
Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) setzt angesichts der Schwundquoten Hoffnungen in eine "entschlossene Reform der Hochschulen". Transparente, gut strukturierte Studiengänge und eine bessere Betreuung könnten dazu führen, dass mehr Studenten ihren Abschluss machten, sagte sie bei der Vorstellung der Ergebnisse.
"Die Erweiterung des Auswahlrechts der Hochschulen bei den Studienanfängern und eine Internationalisierung des Studiums wird sich ebenso positiv auf die Motivation auswirken", so Bulmahn. Zudem werde die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge den Studienerfolg an den deutschen Hochschulen erhöhen.