Seniorenstudium: Präsenile Uni-Flucht - DER SPIEGEL
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Seniorenstudium Präsenile Uni-Flucht

Sie wollen es noch einmal wissen, aber nicht um jeden Preis: Seniorenstudenten reagieren empfindlich auf Studiengebühren. Die Universität Münster verzeichnet stark schrumpfende Teilnehmerzahlen bei ihrem Angebot "Studium im Alter".
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Schon seit vielen Jahren bieten die deutschen Hochschulen Lehrveranstaltungen nicht nur für Zwanzig- oder Dreißigjährige an, sondern stellen sich auch auf die Bedürfnisse grauhaariger Kommilitonen ein. Die Universität Münster zum Beispiel zählte zu den Pionieren und startete 1986 ihr Weiterbildungsangebot "Studium im Alter" für Menschen, die nicht mehr berufstätig sind und eine neue Herausforderung suchen. Als Gasthörer nehmen die Senioren gemeinsam mit jungen Studenten an regulären Lehrveranstaltungen teil. Das Abitur brauchen sie dafür nicht und müssen auch sonst keine besonderen Voraussetzungen erfüllen.

Das Echo war von Anfang an groß, die Teilnehmerzahlen stiegen von Jahr zu Jahr. Noch im Sommer 2002 studierten knapp 2400 Senioren an der Uni Münster, einer der größten deutschen Hochschulen. Doch nun dünnt das Erfolgsmodell aus: Für das Sommersemester dieses Jahres meldet Münster einen brträchtlichen Schwund, nur noch rund 1800 Senioren schrieben sich als Gasthörer ein.

Das Lehrangebot hat die Hochschule nicht verändert, und so hat Uni-Sprecher Norbert Frie nur eine Erklärung für den plötzlichen Einbruch - die auf 75 Euro pro Semester verdoppelten Studiengebühren. "Die Erhöhung ist aber nicht auf unserem Mist gewachsen, um mehr Geld zu verdienen", sagte Frie, "wir haben nur dem vom Land verlangten Minimalsatz erhoben." Offenbar sei seither für viele Senioren der Besuch der Lehrveranstaltungen zu teuer, zumal viele ein- bis zweimal wöchentlich aus dem Münsteraner Umland anreisen.

Wer indes als älterer Mensch nicht als Gasthörer, sondern als regulärer Student eingeschrieben und an einem ganz normalen Studienabschluss interessiert ist, der muss bald noch deutlich tiefer in die Tasche greifen. Sobald Nordrhein-Westfalen das geplante Studienkonten-Modell eingeführt hat, heißt es für Senioren "Zur Kasse, bitte". Neben jüngeren Studenten, die lange studieren oder ein Zweitstudium absolvieren, zahlen auch sie künftig 650 Euro pro Semester. Dabei kommt es nicht darauf an, ob sie früher schon einmal studiert haben oder wie lange sie bereits eingeschrieben sind - ab 60 Jahren wird es teuer.


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