Shoppingverbot Ich kaufe, also bin ich
Euphorisch wie ein Hungernder nach einem Bissen Knäckebrot tänzelt sie durch die Stadt. Im Sinne ihres Experiments war die Anschaffung allerdings nicht.
Ein Jahr lang, so hatte es sich die New Yorker Journalistin vorgenommen, wollte sie nichts kaufen, was nicht wirklich notwendig ist. Also: kein Buch, kein Essen im Restaurant und keine Theaterkarten. Auf teure Duftwässerchen verzichten, auf Handtaschen und Modeschmuck. Um auch den männlichen Lesern den Wahnwitz des Vorhabens deutlich zu machen: ein Jahr lang kein Benzin, kein Elektroschnickschnack, kein Bier!
Erworben werden sollten nur (alkoholfreie) Grundnahrungsmittel. Mit weitreichenden Folgen: Geistreich beschreibt die Asketin, wie sie zum sozialen Outlaw mutiert. Das Kaufen, stellt sie fest, ist der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält - erst recht im Mutterland der Shopping-Malls. Worüber redet man auf Partys und in der Kantine? Wer nichts konsumiert, ist raus aus dem Spiel.
Auf Dauer wollte Levine nicht auf den emotionalen Kick des Shoppens verzichten: Schließlich hilft nichts besser gegen schlechte Laune als ein neues Paar Schuhe. "No Shopping!" ist nur vordergründig ein Dokument des Scheiterns. In Levines kluger Konsumkritik steckt auch eine zarte Liebeserklärung ans Haben-Wollen.