Statistik: Mehr Hochschulabsolventen - DER SPIEGEL
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So geht Statistik Die wundersame Vermehrung der Hochschulabsolventen

Wir brauchen mehr Akademiker, das fordern Wirtschaft und Politik immer wieder. Jetzt zeigen neue Zahlen: Die Zahl der Hochschulabsolventen hat sich innerhalb von zehn Jahren verdoppelt. Allerdings zählen die Statistiker die Studenten mit zwei Abschlüssen zweimal.
Studenten in Hildesheim (Archiv): Wir werden immer mehr
Studenten in Hildesheim (Archiv): Wir werden immer mehr

Studenten in Hildesheim (Archiv): Wir werden immer mehr

Foto: Julian Stratenschulte/ picture alliance / dpa
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Die Zahl der Hochschulabsolventen hat sich in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, erwarben im Prüfungsjahr 2012 an deutschen Hochschulen 413.300 Studenten einen Abschluss. 2002 hatten nur 208.606 Absolventen ihr Studium erfolgreich beendet. "Der starke Anstieg der bestandenen Prüfungen ist - neben erhöhten Studienanfängerzahlen - maßgeblich von der Bologna-Reform beeinflusst", sagte Destatis-Mitarbeiter Thomas Feuerstein.

Seither können Studenten ihr Studium mit dem Bachelor schneller abschließen. Wer nachher einen Master draufsetzt, wird in der Statistik doppelt gezählt. Nimmt man allein die Erstabsolventen, stieg die Zahl im gleichen Zeitraum nur von 172.600 auf 309.600.

2002 gab es erst 1000 Bachelor- und 2200 Masterabschlüsse - 2012 waren es rund 183.200 Bachelor- und 58.600 Masterabschlüsse. Der Bachelor ist inzwischen der mit Abstand häufigste Hochschulabschluss: 44,3 Prozent der Absolventen erwarben 2012 diesen Titel.

Mit großem Abstand folgen inzwischen die traditionellen Uni-Abschlüsse: Nur noch 19,4 Prozent der Absolventen schließen ihr Studium mit einem Titel wie etwa Magister ab. 14,2 Prozent machten 2012 einen Master, 9,4 Prozent legten eine Lehramtsprüfung ab, 6,5 Prozent promovierten, 6,2 Prozent erwarben einen Fachhochschulabschluss.

Eine weitere Folge der Bologna-Reform: Die Absolventen werden immer jünger. Wegen der kürzeren Bachelor-Studiengänge ging die durchschnittliche Studiendauer zwischen 2002 und 2012 von 10,6 auf 8,8 Fachsemester zurück. Dadurch sank das Durchschnittsalter der Erstabsolventen von 28,1 auf 26,6 Jahre.

Erst vor wenigen Wochen war eine Diskussion um die Akademikerquote in Gang gekommen. Der Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission, Julian Nida-Rümelin, warnte davor, dass hierzulande zu viele junge Menschen studieren und keine Berufsausbildung absolvieren. "Wir sollten den Akademisierungswahn stoppen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

"Bald laufen die Studenten den Azubis den Rang ab. Das finde ich falsch." Die hochwertige Berufsausbildung im dualen System funktioniere nur, "wenn die Mehrzahl eines Jahrgangs weiter in die berufliche Lehre geht, nicht eine kleine Minderheit". Von renommierten Bildungspolitikern kam prompt Widerspruch.

otr/dpa