Stipendien Die Firma zahlt's
Ein Stipendium? Das ist doch nur etwas für Genies, glauben Studenten oft. Ganz falsch, meint die Stiftung Warentest: "Gute Noten verhelfen wohl nur wenigen Studenten zu einer Förderung. Mit einem Schuss Charisma und gesellschaftlichem Engagement lässt sich viel wettmachen", erklären die Verbraucherschützer.
In der aktuellen Aprilausgabe macht die Zeitschrift "Finanztest" Studenten Mut zur Bewerbung etwa bei den großen Begabtenförderungswerken der Parteien und Kirchen, der Wirtschaft und Gewerkschaften. Eine gezielte Anfrage bringe allerdings mehr als viele, aber unkonkrete Bewerbungen. Denn je besser der Stiftungszweck des Anbieters zu den Zielen des Bewerbers passe, desto größer seien die Chancen.
Die Stiftung Warentest rät, die Vertrauensdozenten der Stiftungen an den Hochschulen anzusprechen und die Merkblätter sorgfältig zu lesen: "Nichts ist ärgerlicher, als durch einen Formfehler aus dem Bewerbungsverfahren auszuscheiden."
Auf der Suche nach talentiertem Nachwuchs
Die aus öffentlichen Mitteln geförderten Studienstiftungen sind aber nur eine Möglichkeit zur Finanzierung des Studiums jenseits von Bafög und Bildungskrediten. Weit weniger bekannt sind Stipendienprogramme von Unternehmen. Pure Mildtätigkeit verbirgt sich dahinter dagegen selten. Im Gegenteil, der Zweck heiligt die Mittel: Die Unternehmen fördern meist punktgenau Studenten jener Disziplinen, in denen Berufseinsteiger gerade knapp sind. So wollen sie viel versprechende Kandidaten schon auf dem Campus ködern.
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- Special:Stipendien
In der Praxis bedeutet das häufig, dass angehende Anglisten oder Sozialpädagogen, Soziologen oder Historiker nur mäßige Chancen haben. Weit besser im Rennen liegen Ingenieure, Wirtschafts- und Naturwissenschaftler. Und natürlich zählen auch Informatiker und Multimediaspezialisten zu den Glückspilzen, die gern und oft unterstützt werden.
Bei www.studienwahl.de, einer Webseite der Bundesanstalt für Arbeit und der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung, ist die Stipendienvergabe durch Unternehmen gerade "Thema des Monats". "In den meisten Fällen stehen keine politischen, sondern klare wirtschaftliche Interessen der Firmen im Vordergrund: Stipendien sind Teil der Klaviatur, auf der die Personal- und Recruiting-Abteilungen vor allem großer Unternehmen spielen, um frühzeitig geeigneten akademischen Nachwuchs an sich zu binden", heißt es im Special.
Die Offerten liegen nicht auf der Straße
Und: Ganz ohne Verpflichtungen fließe kein Geld. "Quasi als Ausgleich für ihre Mühe erwarten die Firmen in der Mehrzahl, dass geförderte Absolventen zumindest eine Zeit lang Dienst im betreffenden Unternehmen tun. Das taucht zwar in den seltensten Fällen direkt im Vertrag auf, gehört aber zu den Selbstverständlichkeiten, über die nicht viel geredet wird."
- Stiftung Warentest
- www.studienwahl.de
- Bundesverband deutscher Stiftungen
- Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft
Vorgestellt werden auf studienwahl.de Fördermodelle, Auswahlkriterien und Bewerbungsverfahren bei Konzernen wie Volkswagen, ThyssenKrupp und DaimlerChrysler, Siemens, Bayer und RWE. In der Regel erwarten die Unternehmen Top-Leistungen. Zudem liegen die Offerten nicht auf der Straße. Die Chancen auf ein Firmenstipendien stehen zwar generell nicht schlecht, aber einen Überblick verschaffen müssen sich die Interessenten schon selbst - niemandem wird ein Stipendium nachgeworfen.
Wer schon konkrete Vorstellungen hat, kann sich direkt an das Unternehmen wenden und findet Infos meist auch im Internet. Bei der Fahndung nach einem passenden Stipendiengeber helfen unter anderem der Bundesverband deutscher Stiftungen sowie der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, beides Dachorganisationen für eine Vielzahl von Einzelstiftungen.
Jochen Leffers