Stipendien in Serie: Treffpunkt Treppe - DER SPIEGEL
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Stipendien in Serie Treffpunkt Treppe

Mit Unterstützung des Evangelischen Studienwerks studiert Vera Sacharin Psychologie in Berlin. Im "Haus Villigst" organisiert sie die Einführungstagung für neue Stipendiaten.
Von Britta Heidemann
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Delegiertenkonferenz, Senat, Konvent, Programmausschuss. Vera Sacharin sind diese Worte so vertraut wie das Vaterunser. Seit 1998 ist die 23-Jährige Stipendiatin des Evangelischen Studienwerkes, war im letzten Jahr im Senat für die Begrüßung der Neuankömmlinge zuständig - als "Einführungsreferentin". Wieder so ein Wort.

Letztlich aber bedeuten diese Worte, bedeutet die komplexe Struktur von Ausschüssen und Konferenzen vor allem eines: Hier reden die Studierenden mit. Und eben dies war es, was Vera Sacharin an Villigst gereizt hat. Sicher sei es anstrengend, knapp 70 neue Stipendiatinnen und Stipendiaten zu betreuen. Belohnt aber wird die Anstrengung mit den Gesprächen danach: "Abends trifft man sich immer auf der großen Treppe - das war schon immer so." Der Treffpunkt hat im Telefonverzeichnis sogar eine eigene Durchwahl: "Die Treppe", -231.

Kindergottesdienste und Zeltlager

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Als Gruppenleiterin hat sich Vera Sacharin schon früh geübt: Hat im Heimatort Unterschleißheim Kindergottesdienste geleitet, Zeltlager betreut. Kirchliches Engagement ist eine der Voraussetzungen für eine Förderung in Haus Villigst - oder sozialer Einsatz. Immerhin fünf Prozent der Stipendiaten sind nicht evangelisch. Nicht die Kirche sei der gemeinsame Nenner, glaubt Vera Sacharin: "Der Anknüpfungspunkt, das ist vielleicht der Austausch, den man mit anderen sucht - die Menschen hier sind sehr offen, sehr interessiert, sehr kritisch, vertreten ihre Meinung und sind diskussionsfreudig."

Die "sehr kontroverse Einstellung" wird zum Beispiel beim Thema Kontaktforum deutlich: Einmal im Jahr kommen Firmenvertreter ins Haus, um mit den Stipendiaten zu sprechen. Die einen nennen es eine gute Gelegenheit, die anderen wollen kein Head-Hunting. "Typisch protestantisch."

Über ihre eigene Berufswahl hat sich Vera Sacharin bereits Gedanken gemacht, gab das Medizinstudium in München für ein Psychologiestudium in Berlin auf. In der Daimler-Chrysler-Forschungsabteilung hat sie ein mögliches Berufsfeld kennen gelernt. Über das Thema Mensch-Maschine-Interaktion spricht sie in anschaulichen Bildern seither, schimpft über komplizierte Fahrkartenautomaten und zu kühle Klimaanlagen.

Studenten machen vieles selbst

Und will doch "nicht nur die eigene Wissenschaftssprache" sprechen. "Am Haus Villigst hatte mich damals die Sommeruni sehr gereizt - ich wollte mich noch mit anderen Themen beschäftigen, mich mit anderen interdisziplinär verständigen." In diesem Jahr lautet das Thema "AN WENDEN" - ein etwas kryptischer Titel, der in den Bereichen Kirche, Wissenschaft, Gesellschaft, Kultur und Geschichte umgesetzt wird. Zusammengestellt wird das Programm von den Studierenden selbst. Im Programmausschuss sammelt man Vorschläge, über die dann alle gemeinsam abstimmen.

So viel Freiheit und Mitbestimmung verlangt Dank. "Fördern" heißt das Konzept, mit dem die Stipendiaten sich bei der Stiftung revanchieren können. Indem sie vier Wochen lang etwas für Villigst tun, das öffentliche und wohltuende Wirkung für das Werk hat. Das kann ein Infostand beim Kirchentag sein oder Spendenwerbung bei Unternehmen. Wem gar nichts einfällt, dem bleibt das "Aktenfördern" - sprich: zwei Wochen lang im Büro arbeiten.

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