Student im 108. Semester: Lebenslanges Lernen - DER SPIEGEL
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Student im 108. Semester Lebenslanges Lernen

Seine Semesterzahl übersteigt sein Lebensalter bei weitem: Ein Student, über 70 Jahre alt, ist seit 108 Semestern an der medizinischen Fakultät in Kiel eingeschrieben. Rausschmeißen kann ihn die Uni nicht - auf dem Weg zum Staatsexamen ist eine Zwangsexmatrikulation nicht vorgesehen.
Uni-Klinikum Kiel: Wo man gerne mal 54 Jahre studiert
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Uni-Klinikum Kiel: Wo man gerne mal 54 Jahre studiert

Foto: Uni Kiel/ Jürgen Haacks
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"Wir werfen Studierende nicht hinein in ihr Studium, sondern begleiten und betreuen Sie während der gesamten Ausbildung, geben Hilfestellung und beraten", hat jemand für die Internetseite der medizinischen Fakultät der Uni Kiel gewerbetextet.

Mindestens bei einem Studenten dürfte es ziemlich aufwendig sein, die gesamte Ausbildung so intensiv zu begleiten: Seit 54 Jahren ist dort ein Mann als Student eingeschrieben, also im 108. Fachsemester, mittlerweile ist er über 70 Jahre alt. Uni-Sprecher Boris Pawlowski bestätigte eine entsprechende Meldung der "Lübecker Nachrichten".

Zwar verabschieden sich bundesweit viele Hochschulen von ihren Altstudenten , die noch für Diplom- und Magister-Studiengänge eingeschrieben sind, denn es drängen einfach zu viele neue Bachelor- und Master-Kommilitonen nach. Außerdem laufen nach und nach die Schonfristen aus, die Alt-Studenten zur Einführung der neuen Studiengänge in den vergangenen zehn Jahren gewährt wurden.

Doch der Kieler Marathon-Student kann nicht zwangsexmatrikuliert werden. Denn beim Staatsexamen gebe es keine Regelung, die einen Ausschluss vorsehe, sagte Uni-Sprecher Pawlowski - eine Lücke im System. Bei Magister- und Diplomstudenten kann die Uni die Prüfungsordnungen ändern und Übergangsregelungen anbieten; beim Staatsexamen müsse das Land die Gesetze ändern. Es gebe an mehreren deutschen Unis ähnliche Fälle.

Auch in Kiel gibt es demnach zahlreiche Studenten, die eigentlich längst fertig sein sollten: Seit mindestens 31 Semestern sind nach Uni-Angaben 239 Studenten eingeschrieben, 107 in Staatsexamens-, 73 in Magister- und 59 in Diplom-Studiengängen. Uni-Vizepräsident Frank Kempken sagte dazu: "Es dürfte bildungspolitisch nicht wünschenswert sein, Studierende in extrem hohen Fachsemestern noch länger an den Hochschulen zu halten." Trotzdem sei in Kiel noch kein Student zwangsweise verabschiedet worden.

Auf SPIEGEL ONLINE hatten Frank Stäudner vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und der Studentenvertreter Patrick Schnepper gerade darüber gestritten, wie mit Langzeit-Studenten umzugehen sei: Erst beraten - und dann mit Zwang hinausbefördern, forderte Stäudner. Schnepper widersprach: Rausschmisse seien fatal.

otr/dapd