Studenten im Seniorenheim "Man fühlt sich wie im Hotel"
Meine Mitbewohnerin, die Oma: Abusar Ahmadi und eine Frau im Seniorenheim
UniSPIEGEL: Okay, es ist nicht einfach, ein günstiges Zimmer zu finden. Aber muss es gleich ein Seniorenstift sein?
Abusar: Im Studentenwohnheim hätte ich nicht einmal ein eigenes Bad gehabt. Hier habe ich eines, sogar eines mit einem Haltegriff, damit man bequem vom Klo hochkommt. Außerdem gibt es hier für 250 Euro Miete Sauna, Schwimmbad, Kegelbahn und eine Dachterrasse. Das kann ich alles kostenlos mitbenutzen. Man fühlt sich hier wie in einem Hotel!
UniSPIEGEL: Du bist aber verpflichtet, dich im Heim einzubringen.
Abusar: Fünf Stunden in der Woche wende ich für soziale Arbeit auf. Ich betreue einen 88 Jahre alten Doktor. Jeden Abend laufe ich mit ihm 50 Meter, das kostet ihn unheimlich Kraft. Ich bin an seiner Seite und kann ihn motivieren. Demnächst veranstalte ich außerdem für alle Bewohner einen afghanischen Abend mit Essen aus meiner Heimat.
UniSPIEGEL: Hast du dich mit einigen deiner Nachbarn angefreundet?
Abusar: Mit vier Frauen fahre ich regelmäßig im Shuttlebus, der uns in die Innenstadt bringt. Wir kommen oft ins Gespräch über dies und das, auch über Beziehungen. Ihr Tipp: Wenn du eine gute Frau gefunden hast, so halte sie fest! Außerdem haben mir die Seniorinnen Gedichte beigebracht, und damit ich die nicht vergesse, haben sie sie sogar aufgeschrieben und in meinen Briefkasten gesteckt. Süß, oder?
UniSPIEGEL: Gibt es zuweilen auch Konflikte im Seniorenstift?
Abusar: Manchmal halte ich mich um 20.15 Uhr im Fernsehraum auf und möchte einen Film gucken. Es kommt dann schon vor, dass eine Dame in der Tür steht und auf ihre Lieblingsserie pocht, in dem Fall stehe ich auf und gehe. Gerade Menschen, die schon etwas dement sind, können gelegentlich etwas ruppig sein. Erst heute hat mich eine Frau am Wasserspender unhöflich angefahren, ich hätte das ganze Wasser verbraucht. Man darf das aber nicht so eng sehen.
UniSPIEGEL: Darfst du eigentlich auch nachts einen Mitarbeiter rufen, wenn du was brauchst?
Abusar: Kein Ahnung. Ich habe dieses rote Notfallseil am Bett kürzlich abgenommen. Ich bin am Anfang mal aus Versehen drangekommen. Dann stand um zwei Uhr plötzlich der Pflegedienst bei mir im Flur. Den brauche ich ja noch nicht.
Willkommen, Wehleidige, Schnorrer, Obersnobs: Eine WG ist an sich prima, sie spart Geld und spendet Gesellschaft. Wenn nur die Nervensägen in den Nachbarzimmern nicht wären. Lest hier: die Typologie elf potentieller WG-Genossen. mehr...