Studentenfutter: Die besten deutschen Mensen - DER SPIEGEL
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Studentenfutter Die besten deutschen Mensen

Lange Schlangen, lausiges Essen, launische Bedienung - den Uni-Mensen schleicht ein miserabler Ruf nach. Ein Hochschulmagazin schickte jetzt über 4000 Studenten als Tester los. Ergebnis: In Niedersachsen schlemmen Hochschüler am besten.
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"Die Mensa ist abgebrannt. Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute Nachricht: Alle Rezepte der Mensa sind auch verbrannt. Die schlechte Nachricht: Der Koch kennt sie alle noch auswendig (kein Problem bei dem Umfang)", spottete vor einigen Jahren der Personalrat der Uni Bremen über das Mensaessen. Und schon legendär ist die Episode, als Bochumer Studenten einst ein Schwein durch die Mensa trieben, um auf die dürftige Qualität des Studentenfutters aufmerksam zu machen.

Doch das ist schon Jahrzehnte her, und seitdem haben sich die deutschen Studentenwerke mächtig ins Zeug gelegt, ihre Speisepläne runderneuert und ihre Mensen renoviert. 826 Mensen und Cafeterien betreiben sie bundesweit, rund 200.000 Studenten finden dort Platz. Und im Urteil der Studenten schneidet das Essen gar nicht schlecht ab - nicht nur, weil die Köche von Coq au vin über Lachs an Sprossengemüse bis zu Marzipanmousse als Dessert gern fantasievolle Namen austüfteln.

Das Hochschulmagazin "Unicum" wollte es ganz genau wissen: Bei einer bundesweiten Abstimmung verteilten 4222 Studierende goldene Tabletts in den Kategorien Wartezeit, Auswahl, Service, Atmosphäre, Geschmack und Gesamtwertung. Die Skala reichte von einem Tablett (mensa non grata) bis fünf Tabletts (mensa cum laude).

Niedersächsische Mensen schnitten am besten ab. Zur kulinarischen Höchstform lief die Osnabrücker Mensa auf - sie ging sowohl in der Gesamtwertung als auch beim Testkriterium Service als Sieger durchs Ziel. Und geht es allein nach dem Geschmack, haben Oldenburger Köche die Nase vorn: "Keine Großküchenmatsche - wirklich Spitze", lobte ein Student die Mensa am Uhlhornsweg.

"Ein Büschel Haare auf dem Teller"

Zufrieden zeigten sich auch Studenten in Hannover ("Manchmal besser als bei Muttern!"). Die Saarbrücker Mensa brillierte durch besonders zügigen Service, die Passauer Studi-Kantine durch gute Atmosphäre. Ansonsten reichten die Kommentare der Studenten von Mensasucht ("Ich liebe meine Mensa!") bis Mensaflucht ("Ein Büschel Haare auf dem Teller").

Zuvor waren im "Unicum"-Auftrag bereits Feinschmecker als Tester in die Mensen der Republik ausgeschwärmt und kamen mit recht unterschiedlichen Erfahrungen zurück. Teils wandten sich die professionellen Gastro-Kritiker mit Grausen angesichts von "Matsch tomatesk" oder "Industrie-Gockel in 08/15-Sauce", teils fanden sie das Essen durchaus passabel ("Für 5,75 Mark eine korrekte Sättigung").

Dass die Geschmacksnerven nach jahrelangem Mensabesuch völlig verkümmern und Studenten sich ohnehin nur für "Pommes Schranke" (rot-weiß, mit viel Mayo und Ketchup) interessieren, wird durch einschlägige Untersuchungen nicht bestätigt. Studenten an deutschen Hochschulen essen weit gesünder als landläufig angenommen und legen großen Wert auf ausgewogene Ernährung, ergab unlängst zum Beispiel eine Untersuchung der Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft.

Demnach ist das Klischee vom Studenten ganz falsch, der kurz vor der ersten Vorlesung aus dem Bett springt, eilig einen Kaffee einwirft und auf den Campus stürmt. Zwei Drittel der Befragten setzen auf ein solides Frühstück, vorzugsweise mit Milch, Müsli und Joghurt. Und viele achten der Untersuchung zufolge auf gesunde Zwischenmahlzeiten.