Studentische Modedesigner Ein scharfes Teil in Chili
Hamburg - Genau so stellt man sich ein scharfes Teil vor: kurz, ärmellos, körperbetont, der matt glänzende Stoff in feurig-scharfem Rotton gehalten. Als besonderer Clou Hunderte kleine Chili-Schoten dicht an dicht auf dem ganzen Kleid verteilt. Wie anders als "Hot Mini" könnte die Creation von Michaela Börner dann auch heißen.
Die Studentin an der Hamburger Akademie JAK für Fashion und Design hat sich ebenso wie 15 ihrer Kommilitonen bei ihren Entwürfen von Gewürzen inspirieren lassen. Die Idee dazu hatte der renommierte Hamburger Gewürzexperte Uwe Paap, Herausgeber des internationalen Brancheninformationsdienstes "Hot Spice". Finanziert wird das Projekt durch Paap und den größten europäischen Gewürzanbieter Fuchs. Am 19. Januar präsentieren die angehenden Modeschöpfer ihre Ergebnisse einer fachkundigen Jury, zwei Tage später werden die Preisträger beim "Spice Talk" gekürt, zu dem die deutsche Gewürzbranche sich dann in Hamburg einfindet.
Die Inspiration durch Gewürze sei in dieser Form ein bislang einmaliges Projekt, sagt Ingrid Albert-Kunz, Gründerin der privaten Fachschule, die momentan rund 300 Studenten ausbildet. Zu den Ergebnissen zählen zum Beispiel ein Kettenhemd aus Pfefferkörnern und Holzperlen, Abendroben wie Muskatblüten, Pailletten in Form von Sternanis. Ein in verschiedenen Grüntönen gehaltenes Kleid erinnert an übereinander liegende Lorbeerblätter, natürlich hauteng. Nahtverläufe sind von Kardamomblüten inspiriert, Faltenwürfe und Accessoires von Zimtstangen, Ingwerwurzeln und Nelken, Farben von Gelbwurz, Kurkuma oder Zwiebelschalen. Manche Stoffe wurden auch gleich damit gefärbt.
Studentische Modedesigner: Ein scharfes Teil in Chili
"So werden Eigenschaften der Gewürze auf die Modelle übertragen", erläutert Dozent Kai Dünhölter, der das Projekt betreut. Auch die verwendeten Materialien sind auf das Thema zugeschnitten, etwa Organza, Taft oder Seidensatin, die zudem - in verschiedenen Farben kombiniert - besondere Licht-Schatten-Effekte bewirken. Selbst Teile originaler Jutesäcke, in denen die Gewürze verschickt werden, finden Verwendung.
Ein Kilo Schoten für den "Hot Mini"
Drei Monate intensiver Arbeit liegen hinter den Studenten. Allein das Aufbringen der Chilis mit Heißkleber auf ihrem "Hot Mini" kostete Michaela Börner eine Woche harte Arbeit - und jede Menge Brandblasen an den Fingern. Etwa ein Kilogramm kleine Schoten hat sie dabei verarbeitet und zig Pailletten mit Hand aufgenäht.
So wie das "scharfe Teil" entstanden letztlich 18 Modelle, jedes ein Unikat. Die Schnittkonstruktionen wurden zum Teil direkt an den Schneiderpuppen drapiert und "zusammengebaut". So ließen sich Falten- und Nahtverläufe kreieren, wie sie zweidimensional auf Papier nur schwer vorstellbar seien, erläutert Dünhölter. Anschließend werden die Kleider an den Nähten aufgeschnitten und anhand der Teile dann die eigentlichen Schnitte für die Modelle gefertigt.
"Das ist weder eine Bastelstunde noch ein Trockentraining, sondern reine Inspiration mit Abstraktion und Wandlung. Je nach Veranlagung können die Studenten ihre Freiräume voll ausspielen", sagt der Dozent. Zwar werde keines der Einzelstücke aus dem Projekt in Serie gefertigt. "Doch alle sind tragbar, und das fördert die Kreativität." Die Studenten testen aus, ob umsetzbar ist, was ihnen durch den Kopf geht. Die Vertreter der deutschen Gewürzbranche dürfen auf eine feurig-scharfe Präsentation gespannt sein.
Von Michael Best, ddp