Studienanfänger Ein Drittel zu dumm?
Texte in den Computer tippen und stundenlang im Internet surfen - das können Studenten nach Ansicht vieler Dozenten. Von den akademischen Fähigkeiten ihrer Schützlinge halten Deutschlands Hochschullehrer aber wenig: Praktisch jeder Dritte ist demnach überhaupt nicht studierfähig. Dies ergab eine Umfrage des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft unter 1435 Dozenten.
Den Neulingen wird insbesondere Mangel an Denkvermögen vorgeworfen. Viele der Professoren sind der Meinung, dass Studienanfänger in der Schule nicht das notwendige Rüstzeug für ein Studium erworben hätten. Bemängelt werden unter anderem analytisches Können, Abstraktionsvermögen, Kreativität und Sprachvermögen.
Das Zeug zum guten Studenten bescheinigen die Hochschullehrer nur 24,5 Prozent der Studienanfänger. Mittelmäßige Fähigkeiten hätten immerhin 41 Prozent. Jeder zweite Dozent bewertete die sprachliche Ausdrucksfähigkeit der Frischlinge als schlecht. Ein Drittel sprach dem Nachwuchs zudem analytische Fähigkeiten ab. Und obendrein haben die Erstsemester nach Meinung der Professoren eklatante Wissenslücken.
In dieselbe Kerbe schlug vor einiger Zeit der Soziologe Dirk Kaesler. Der Marburger Professor hält ein Drittel der deutschen Studierenden für studienunfähig. Viele würden nur studieren, weil keine Alternative zur Verfügung stünde. Und auch der ehemalige Anglistikprofessor Dietrich Schwanitz war stets groß im Lamentieren über seine Studenten - er wollte 1997 ebenfalls ein Drittel sofort nach Hause schicken.
Eine gewisse Regelmäßigkeit im ständigen Klagelied über unfähige Studierende erkennt Klaus Landfried, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, von der Antike bis heute. Aber natürlich bleibe es nicht ohne Folgen für das durchschnittliche Leistungsvermögen, wenn inzwischen ein weit höherer Anteil eines Jahrgangs studiere als noch vor 30 Jahren. Landfried: "Allerdings bringen junge Leute heute oft andere, wichtige Stärken mit: Sie sprechen Fremdsprachen flüssiger, sind kontaktfreudiger und bilden sich unbefangener ein eigenes Urteil."