Studieren
GUT WETTER MACHEN
Mit einer weltweiten Marketing-Kampagne wollen Bund und Länder die Zahl der ausländischen Studenten an deutschen Unis erhöhen. Hochschulen, Botschaften, Unternehmen und Verbände alle sollen kräftig für ein Studium in Deutschland trommeln. Wie launig es dabei zugehen dürfte, zeigt schon vorab eine "Road-Show", die kürzlich durch Indien tourte. "In Deutschland regnet es weniger als in England, und es ist nicht so heiß wie in Indien", lautet eines der Argumente, mit denen in Neu-Delhi und anderswo geworben wurde. Mit dem Kurs "Deutsch in 45 Minuten" wird den Interessenten die fremde Sprache schmackhaft gemacht. Für den Fall, dass diese Argumente nicht zünden: Auch die Einreise- und Arbeitsbedingungen für ausländische Studenten sollen erleichtert werden. "Wir müssen uns eben als weltoffenes und gastfreundliches Land präsentieren", hat Bildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) erkannt.
VISITE BEIM PROFESSOR
Sprechstunden beim Professor sind für die meisten Studierenden ein notwendiges Übel. Gleiches gilt für die Lehrenden, die die individuelle Betreuung der Hochschüler häufig als zeitraubend empfinden. Das ist jetzt auch wissenschaftlich bewiesen: Bochumer Sprachwissenschaftler haben eine Studie zum traurigen Alltag der Sprechstundengespräche veröffentlicht. Die Studierenden fühlen sich als Bittsteller und treten unsicher auf. "Sie halten ihr Wissen zurück, weil sie fürchten, es könnte nicht fachkundig genug sein", so Philologin Dorothee Meer. Meist seien die kurzen Einzelkontakte Fortsetzungen der Vorlesung: Der Professor doziert, ohne auf individuelle Bedürfnisse einzugehen. 90 Prozent der Studierenden sind nach der Sprechstunde so entmutigt, dass sie mit dem gleichen Problem nicht noch einmal vorsprechen würden. Meer rät den Studierenden, sich gezielt auf das Gespräch vorzubereiten und sich klarzumachen, dass sie ein Recht auf Betreuung haben. Darauf verzichten sollten sie keinesfalls, so Meer, denn Sprechstunden seien eine gute Möglichkeit, kommunikatives Durchsetzungsvermögen für spätere Situationen auf dem Arbeitsmarkt zu proben.
SKEPSIS BEI BACHELOR
Sie sind die Mode der Saison: 524 Angebote für Bachelor- und Master-Studiengänge gibt es bereits, jedes Semester kommen neue hinzu. Doch nicht in allen Fächern ist die Begeisterung für die gestuften Studiengänge gleich groß. Während die Geistes- und Sozialwissenschaftler in BA/MA-Abschlüssen das Allheilmittel sehen, sind die Natur- und Biowissenschaftler deutlich reservierter. In der Biologie etwa gibt es so gut wie keine modularen Studiengänge, in der Physik plädierte die Konferenz der Fachbereiche kürzlich noch einmal für das "Diplom mit zehn Semestern Regelstudienzeit und die zwölfmonatige Diplomarbeit".
Auch in der Wirtschaft ist die Skepsis gegenüber Bachelor und Co. weiterhin groß. Unlängst belegte eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft, dass gerade in der Chemie- und Biobranche viele Firmen wenig von den neuen Abschlüssen wissen wollen.
STUDENTEN WERBEN STUDENTEN IN NATURWISSENSCHAFTEN
Nachwuchsmangel macht erfinderisch: Deutschlands Hochschulen lassen bereits seit längerem nichts unversucht, um schon Schüler für die Natur- und Biowissenschaften zu begeistern. Nun werben sogar Studenten um künftige Kommilitonen. An der Uni Greifswald haben elf Biologiestudenten die Initiative Puls (Public Understanding of Life Sciences) gegründet. Mit Vorträgen und Experimenten werben sie in Schulen für ihr Fach. "Mal geht es um Genfood, mal um die Genom-Forschung", so Nadine Lehan, eine der Puls-Aktiven. Das Interesse an den Schulen ist groß, wobei Puls nicht zuletzt von verbreiteten Vorbehalten gegen professorale Werbeaktionen profitiert. "Viele Lehrer haben es nicht gern, wenn Professoren im Unterricht erklären, wie toll Biologie ist." Ganz nebenbei erweisen die elf Studenten nicht nur ihrem Fach einen Dienst, sondern auch sich selbst. Nadine Lehan: "Wir lernen, vor Publikum zu sprechen und uns verständlicher auszudrücken."
Infos: www.humanbiologie.de