Surftipp: Abbruch, Aufbruch, Durchbruch - DER SPIEGEL
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Surftipp Abbruch, Aufbruch, Durchbruch

70.000 Studenten lassen jährlich ihr Studium sausen. Im Internet gibt es jetzt eine Plattform für sie - und für Unternehmen, die Studienabbrecher umgarnen wollen. Damit nicht gleich auf der Straße steht, wer nicht mehr im Hörsaal sitzt.
Von Carsten Heckmann
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Stephan Schambach hat's getan. Und zeigt keine Spur von Reue. Sagt er. Obwohl es seinem Unternehmen Intershop schon einmal wesentlich besser ging als heute. Jedenfalls hat Schambach sein Physik-Studium nie beendet, sondern abgebrochen: Raus aus dem Hörsaal, rein ins Leben.

Zu dieser Entscheidung ringen sich in Deutschland jährlich rund 70.000 Studenten durch. Sie hat die Webseite studienabbrecher.com im Visier. Das Eingangslogo sagt alles: Eine Figur führt eine andere die Karrierestufen hinauf. "Hier gibt's Hilfe", soll das wohl bedeuten. Für Menschen wie Teresa, die im Forum des Angebots schreibt: "Ich bin jetzt 24 Jahre alt und habe keine Lust, mich noch mal vier Jahre auf den Studienstuhl zu setzen, um im Nachhinein eigentlich nichts als ein wertloses Stück Papier bar jeglicher praktischen Erfahrung in den Händen zu halten."

Die Studentin der Sprach- und Kulturwissenschaften bittet darum, "konstruktiv mit ein paar Vorschlägen aufzuwarten". Bislang hält sich die Resonanz in Grenzen. Das Forum scheinen nicht viele zu besuchen. "Die Aufbauarbeit geht langsam voran", sagt Tobias Mazet, einer der drei Initiatoren, die inzwischen noch vier freie Mitarbeiter engagiert haben.

Aber das Forum ist auch nicht das Wichtigste. Studienabbrecher.com soll vor allem als Plattform dienen, um Arbeitgeber und Abbrecher zusammenzubringen. Zwölf Firmen, darunter Philips, DEKRA und Gerling, stellen sich vor und suchen gezielt nach dem abschlusslosen Nachwuchs, meist um ihn auszubilden.

Ausbildungsplätze für Abbrecher

"Studienabbrecher haben zwar immer noch ein relativ schlechtes Image, aber in vielen Unternehmen sind sie durchaus gefragt, vor allem natürlich im IT-Bereich", weiß Tobias Mazet. Ein bisschen Know-how und viel Engagement brächten die Ex-Studenten in der Regel mit.

Nach einer Studie des Hochschul-Informations-Systems haben denn auch rund drei Viertel aller Studienabbrecher nach einem halben Jahr den Übergang in der Beruf geschafft. Nicht umsonst war der Auftrag eines großen Versicherungskonzerns der Ausgangspunkt für die Gründung des Abbrecher-Portals.

Der Konzern trat im vergangenen Jahr an die studentische Unternehmensberatung "Junior Consulting Team" in Nürnberg heran - und damit an Mazet und einige seiner Kommilitonen. Die Aufgabe: ein Recruiting-Konzept für Azubis mit den Zielgruppen Gymnasiasten und Studienabbrecher. "Damit stand das Unternehmen nicht allein. Eine Anlaufstelle musste geschaffen werden", erzählt Mazet.

Firmen müssen zahlen, Studenten nicht

Allerdings möchten einige Firmen die Abbrecher zwar haben, das aber nicht öffentlich kundtun. Daher können Personalchefs die Profile der Kandidaten auf der Internetseite durchforsten. Wollen sie die Kontaktdaten haben, kostet das 20 Euro Gebühr. Werben sie per Inserat für sich, sind 250 Euro fällig. "Immer noch wenig im Vergleich zu sonstigen Stellenanzeigen", meint Mitgründer Mazet.

Wer des Studiums überdrüssig ist, kann sich bei studienabbrecher.com kostenlos registrieren lassen. Ihnen wird zudem einiges an Service geboten, vom Newsletter bis zum Bewerbungstraining. "Aber es geht nicht darum, jemanden zum Abbruch zu animieren", beteuert Tobias Mazet, "raten würde ich's niemandem."

Mazet selbst studiert im fünften Semester BWL. "Und das macht Spaß", so der 22-Jährige. Ein weiteres Argument gegen den Abbruch: "Mit der Seite kann von uns momentan noch keiner reich werden."

UniSPIEGEL ONLINE startet demnächst eine Serie über prominente Studienabbrecher - von Bill Gates über Mick Jagger bis zu Herbert Feuerstein

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