Syrischer Student aus Leipzig bringt Hilfsgüter nach Aleppo - DER SPIEGEL
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Von Leipzig nach Aleppo: Nothilfe unter Lebensgefahr

Foto: Ruben Neugebauer

Semesterferien im Syrien-Krieg "Ein entsichertes Gewehr auf der Brust"

Was tun, wenn in der Heimat ein Bürgerkrieg tobt? Der Syrer Khalil Ayne, der in Leipzig studiert, wollte helfen. Also fuhr er mit dem Auto los, um Hilfsgüter nach Aleppo zu bringen. Hier erzählt er, warum er die letzten Kilometer nur zu Fuß weiterkam.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

UniSPIEGEL: Khalil*, du hast privat Hilfsgüter nach Aleppo gebracht, mitten in den Bürgerkrieg. Wie lief das ab?

Ayne: Einige andere Syrer aus Leipzig und ich haben dafür einen alten Kombi gekauft und mit Hilfsgütern wie zum Beispiel Kleidern und Medikamenten vollgepackt. Im September ging es los, bis nach Bukarest hat mich ein Freund begleitet, dann bin ich allein weiter. Bis zur türkischen Grenze war es eigentlich nur eine lange Autofahrt, gut 2000 Kilometer, danach gab es die ersten Probleme.

UniSPIEGEL: Was für welche?

Ayne: Komischerweise wollte der türkische Zoll die Kleider nicht ins Land lassen. Ich wurde aufgefordert, wieder umzudrehen. Dann habe ich es an einem anderen Grenzübergang versucht, dort hat es dann geklappt.

UniSPIEGEL: Lief auch die Einreise nach Syrien problemlos?

Ayne: Leider hat mich der türkische Zoll mit dem Auto nicht nach Syrien gelassen. Ich konnte das meiste Gepäck nicht mitnehmen, da habe ich mir die Medikamente geschnappt und bin zu Fuß weiter. Am ersten Checkpoint in Syrien hatte ich dann plötzlich ein entsichertes Gewehr auf der Brust. Als Freunde, die ich angerufen hatte, auftauchten, entschärfte sich die Situation. Am Abend war ich in Aleppo.

UniSPIEGEL: Dort hast du vor dem Krieg gelebt. Wie war es, zurückzukommen?

Ayne: Aleppo war mal eine blühende Stadt. Jetzt herrscht dort Gewalt. Man erlebt Raketeneinschläge und Scharfschützen auf der Straße. Ich selbst habe gesehen, wie ein Kind getroffen wurde. Ich konnte ihm nicht mehr helfen. Für die Menschen in Aleppo geht das Leben aber trotzdem irgendwie weiter. Die müssen eben auch raus, um Nahrung, Wasser oder Brennstoff zu beschaffen.

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UniSPIEGEL: Was hat deine Reise gebracht?

Ayne: Ich konnte einige Medikamente hinbringen und mit Bargeld eine weitere Ladung auf dem Schwarzmarkt kaufen. Natürlich war das nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber wenn es zumindest ein paar Leuten hilft, dann war es das für mich wert.

UniSPIEGEL: Deine Familie und viele Freunde leben weiter in Syrien. Wie geht es dir damit?

Ayne: Ich komme damit gar nicht gut klar: Ich bin hier in Sicherheit und sie kämpfen in der Heimat ums Überleben. Viele sind auch auf der Flucht, andere verhaftet. Es fühlt sich schlecht an, wenn du so wenig machen kannst. In Gedanken bin ich immer dort. Das gefährdet mein Studium hier.

UniSPIEGEL: Würdest du das Risiko noch mal eingehen?

Ayne: Gerade würde ich eher sagen: nein.

* Name geändert, um Khalils Familie zu schützen.

Das Gespräch führte Jan Michael Ihl.

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Ausgabe 6/2013

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