Tote Hosen Härterer Gang
Vier Jahre nach der letzten Platte "Zurück zum Glück" und einer langen Pause für Solo-Projekte und Kino-Abenteuer ("Palermo Shooting") sind Campino, Kuddel, Andi, Breiti und Vom mit sich im Reinen und legen ein nicht immer spektakuläres, aber homogenes Album vor.
Erwachsen geworden: Campino, Kuddel, Breiti und Andi
Foto: DDPWas nach dem ersten Durchlauf sofort auffällt, ist der erstmalige Verzicht auf eine Spaß- oder Sauf-Hymne Marke "Zehn kleine Jägermeister" oder "Walkampf". Man wolle, so Campino, die Songs, die sehr nachdenklich und kritisch sind, nicht relativieren. Die Ü-40-Truppe der Toten Hosen ist erwachsen geworden.
Der Großteil der 13 Stücke drängt in gewohnt härterer Gangart vorwärts wie in dem AC/DC-Derivat "Teil von mir". Doch es finden sich auch einige Überraschungen: zum Beispiel "Innen alles neu", eine atmosphärisch dichte Reise in Campinos Ich, untermalt mit einer singenden Säge, oder "Die letzte Schlacht" als Verbeugung vor Ton Steine Scherben.
Und natürlich "Auflösen", das erste Duett in der Hosen-Geschichte. Jahrelang träumte Campino von einem Pas de deux im Stil von Johnny und June Carter Cash oder Johnny Thunders und Patti Paladin. Erst bei seinen Auftritten in der Berliner "Dreigroschenoper" fand er mit der österreichischen Schauspielerin Birgit Minichmayr die passende weibliche Gesangspartnerin.
"Disco", eine mit Eurodance-Punk vertonte Fahrt durch die Höhen und Tiefen des Nachtlebens, kommt etwas zu gewollt rüber, dafür gibt es am Ende von "In aller Stille" noch einmal einen Höhepunkt: "Angst". Das dynamische, düstere Stück war die Idee, mit der Gitarrist und James-Bond-Fan Kuddel ganz zum Schluss in den Proberaum gerannt kam - es klingt wie ein klassischer 007-Titelsong in Rockform.
Die neugeborenen Hosen, erwachsen statt bemüht lustig. Zu erwarten war das nicht von der altgedienten Gang vom Rhein - es ist aller Ehren wert.