Uni-Bewerbung: Warnruf der Studentensekretariate - DER SPIEGEL
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Uni-Bewerbung Warnruf der Studentensekretariate

Sie sollen viel Arbeit von der ZVS übernehmen, eine faire Auswahl garantieren und auch noch Studiengebühren eintreiben - aber die Studentensekretariate klagen, dass die Länder sie im Stich lassen. Selbst die Leiter der Sekretariate geben zu: Studenten klagen zu Recht über schlechten Service.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Über 30 Jahre lang hat die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen Abiturienten in Numerus-clausus-Fächern an Deutschlands Universitäten und Fachhochschulen verteilt. Die Dortmunder ZVS war stets umstritten - als Symbol für "Planwirtschaft in der Bildungspolitik" und als Bremsklotz im Wettbewerb der Hochschulen. Nun sollen die Hochschulen nach und nach die Auswahl der Bewerber selbst übernehmen: Zum Teil ist das heute schon der Fall, zum Wintersemester 2005/2006 soll der Anteil auf 60 Prozent steigen. Über die ZVS werden dann nur noch 40 Prozent der Studienplätze nach Abiturnoten und nach Wartezeit verteilt.

Das bedeutet aber auch: Auf die Hochschulen kommt eine Menge neue Arbeit zu. Sie müssen die Infrastruktur, die bei der ZVS längst existiert, in kleinerem Maßstab neu schaffen. Und überdies wurden sie von den Ländern dazu verdonnert, Einschreibe-, Rückmelde- und Langzeitstudiengebühren von den Studenten einzutreiben - über ihre neue Rolle als "Gebühreneinzugszentrale" sind die Studentensekretariate nicht gerade glücklich.

Nun befürchten sie, dass ihre Arbeit noch schwieriger wird. In Passau haben sich letzte Woche die Leiter der Studentensekretariate aller deutschen Universitäten getroffen und eine gemeinsame Stellungnahme verabschiedet. Wegen der immer strikteren örtlichen Zulassungsbeschränkungen sei die Zahl der Bewerber pro Hochschulen "drastisch angestiegen - um bis zu 500 Prozent", heißt es darin.

Die Sekretariatsleiter weisen auch auf den zunehmenden Bewerbungstourismus hin, vor allem seit große Studiengänge wie Betriebswirtschaft, Jura und Architektur aus dem ZVS-Verfahren geflogen sind. Die Folge: Abiturienten bewerben sich an mehreren Unis und für verschiedene Studiengänge - und sagen entsprechend häufig wieder ab, sobald sie sich entschieden haben. Das führt zu weiteren Auswahlverfahren bis kurz vor Semesterbeginn. Sind dann immer noch nicht alle Plätze besetzt, kommt es zu Verlosungen - eine "wenig sachgerechte Lösung", so die Studentensekretariate.

Außer Spesen nichts gewesen

Auch andere Faktoren sorgen dafür, dass sich die Arbeit türmt: Die Bundesländer verlangen besonders aufwändige Auswahlverfahren; die Zulassung ausländischer Bewerber ist bislang kaum koordiniert; wegen der Umstellung auf Bachelor- und Masterabschlüsse müssen die Sekretariate intensiver informieren und beraten. Und dann noch der Ärger mit den Studiengebühren - die Hochschulen müssen die Gebühren eintreiben, Widersprüche bearbeiten und Härtefälle überprüfen. Die Extra-Einnahmen jedoch sacken meist die Bundesländer für sich ein.

Der Umfang der Aufgaben sei erheblich gestiegen, doch mehr Personal für die Studentensekretariate gebe es seit Jahren nicht, manchmal sogar Stellenkürzungen, monieren die Leiter: "Die Studierenden beklagen deshalb vielfach zu Recht abnehmenden Service der Verwaltung." Die Einrichtungen müssten daher personell besser ausgestattet und zudem "von Aufgaben entlastet werden, die beispielsweise von einer zentralen Einrichtung nachweislich besser und kostengünstiger wahrgenommen werden können".

Zentrale Einrichtung? Die gibt es ja längst: jene ungeliebte Behörde in Dortmund, die Union und FDP aus symbolischen Gründen am liebsten ganz auflösen würden. Das studentenstärkste Bundesland Nordrhein-Westfalen indes sieht für die ZVS eine Zukunft als "Studenten Service Deutschland". Totgesagte leben länger, glaubt such ZVS-Direktor Ulf Bade: "Ich rechne ganz entschieden damit, dass es mehr Arbeit für die Zentralstelle geben wird." Als Dienstleister bleibe sie zentrale Anlaufstelle und werde Lotsendienste zwischen Infosuchenden und Unis leisten.

Jochen Leffers