Uni Hannover Zoff ums Logo
Viel Streit um Geschmacksfragen gibt es an der Leibniz Universität Hannover: Dort hat sich das Präsidium im Alleingang für ein neues Hochschullogo entschieden, das Parlament, in dem die Interessenvertreter aller Fakultäten sitzen, blieb außen vor. Seit diesem Januar stehen nun die Ziffern "1, 10, 100, 1, 2, 4" auf blauem Grund als Emblem für die Universität - zum Gedenken an den Mathematiker und Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz, der vor mehr als 300 Jahren das Dualsystem entwickelt hat.
Leibniz' mathematische Errungenschaft besteht aus Zahlenreihen, in denen es nur Nullen und Einsen gibt, und bildet die Grundlage für elektronische Datenverarbeitung. "Wir finden es absolut nicht in Ordnung, was da mit dem Logo passiert ist", sagt Friederike Beier, Referentin für Hochschulpolitik an der Uni Hannover. "Erstens spiegelt es nur die naturwissenschaftlichen Fächer wider und nicht die Geisteswissenschaften, und zweitens kann das Präsidium doch nicht einfach so über alle Köpfe hinweg entscheiden."
Auch Professoren am Institut für Soziologie haben bereits öffentlich die Bevorzugung der Naturwissenschaften beklagt. Uni-Präsident Erich Barke findet diese Kritik nicht berechtigt. Zum einen lasse sich über Fragen der Ästhetik schlecht abstimmen, sagt er. Und zum anderen: "Es ist eine kleine Fehlinterpretation zu sagen, dies sei ein naturwissenschaftliches Logo." In erster Linie sei dies ein mathematisches Symbol, und auch Mathematik sei eine Geisteswissenschaft, sagt der Professor für Elektrotechnik.
Entworfen hat das Markenzeichen der emeritierte Designprofessor Herbert Lindinger. Noch prangt das alte Emblem auf Briefköpfen, Visitenkarten und Umschlägen, nur der Internet-Auftritt ist schon angepasst. Bis zum Frühjahr soll voraussichtlich auch der Rest im neuen Stil erscheinen. "Am Logo wird sich jedenfalls nichts mehr ändern", sagt Barke.