Uni Leipzig Marx muss weg
Zunächst seien die Arbeiter mit vorbereitenden Aufgaben beschäftigt, ab 22. August soll dann mit dem Abbau des 14-mal 7 Meter großen Bildes begonnen werden, teilte eine Universitätssprecherin mit. Das Relief mit dem Titel "Aufbruch" - besser bekannt als "Marx-Relief" - wird in vier Teile zerlegt und eingelagert. Es hatte 33 Jahre lang das Hauptgebäude geziert. Ein neuer Standort ist noch nicht gefunden.
Die Relief muss für die Umgestaltung des Universitätscampus weichen. Über Marx' Zukunft sind sich Bürger und Hochschulangehörige uneins: "Das Relief hat einen starken Symbolwert", sagt Hochschulrektor Franz Häuser. Viele Leipziger wollen das Relief dagegen für immer verbannen.
Zu ihnen gehört Schriftsteller Erich Loest, Ehrenbürger der Stadt. Der 80-Jährige will das Relief am Stadtrand einmotten: genau dort, wo DDR-Staatschef Walter Ulbricht die Trümmer der 1968 gesprengten Paulinerkirche abladen ließ, die seinerzeit für das Uni-Gebäude weichen musste. "Die bürgerliche Kirche ist damals im Geiste von Karl Marx, der klassenkämpferisch Neues wollte und die Religion hasste, gesprengt worden", sagt Loest. Die Überreste der Kirche und die sozialistische Kunst auf einer "Trümmerhalde" vereint - so hätte Loest es gern.
Andere kämpfen für einen Ehrenplatz auf dem neuen Campus, der rund 150 Millionen Euro kosten soll. Die Linkspartei.PDS im Stadtrat hat beantragt, das Objekt an exponierter Stelle aufzustellen. Dagegen kämpft die Junge Union: "Das Relief ist symbolisch für den Dogmatismus des Marxismus-Leninismus in der DDR und damit für die Unfreiheit der Wissenschaft", sagt der JU-Kreisvorsitzende Marco Hertwig. Er will Marx lieber "endlagern".
"Es gibt Verletztheiten, die bei derartigen Anlässen aufbrechen", kommentiert Rektor Häuser die Diskussionen. Damit spielte er auch auf die Turbulenzen um den Wiederaufbau der Paulinerkirche an, der die Bürger jahrelang beschäftigt hatte.
jaf/ddp/dpa