Uni-Sitcom: Samenspenden in Serie - DER SPIEGEL
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Uni-Sitcom Samenspenden in Serie

Das kann ja heiter werden. In einer neuen Comedy-Serie wird sich ProSieben dem vorgeblich wilden Studentenleben widmen. Im Mittelpunkt: Drei Erstsemester in ihrem Wohnheim, ein Dauerstudent und viele nackte Kommilitoninnen. Die Schauspieler hatten jedenfalls ihren Spaß.
Von Oliver Voß
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wenn das Unterhaltungsfernsehen sich der Universität annimmt, bleibt die Realität fast immer auf der Strecke. In der bekannten Serie "Berlin, Berlin" etwa wollte Lolle einmal panisch die von ihr verteilten Flugblätter wieder einsammeln, weil sie plötzlich Angst bekam, wegen unerlaubter Propaganda exmatrikuliert zu werden. Bei einer neuen ProSieben-Klamaukserie bleiben komplizierte Themen wie die Politik lieber gleich außen vor. "Wilde Jungs" heißt die vor kurzem abgedrehte Serie, in der sich, so die Ankündigung des Senders, alles um "Frauen, Sex und wahre Männerfreundschaft" dreht. Sie kommt Anfang 2005 ins Fernsehen.

Die Sitcom erzählt die Abenteuer dreier Erstsemester in einem Berliner Studentenwohnheim. Torben ist der Romantiker unter den Jungs, Christoph der intellektuelle Typ mit Brille und Büchern unter dem Arm und Lukas ein Sportstudent, "der seinen Body mit regelmäßigem Training in der Horizontalen stählt". Die Informationen des Senders lassen befürchten, dass die Satire auf den deutschen Studentenalltag wirklich kein Klischee auslässt.

Der Achtundsechziger-Vater kommt zu Besuch

"Es geht absolut darum, Spaß beim Gucken zu haben," erklärt der Schauspieler Jonas Laux, der die Figur Christoph spielt. Ernste Themen wie Studiengebühren könnten nicht Thema einer Sitcom sein, die eine halbe Stunde vor der Show von Stefan Raab läuft, sagt Laux. "Es wäre auch schwierig, so was lustig zu verpacken."

Stattdessen sollen die Zuschauer mitbangen, ob es Frauenheld Lukas schafft, zwei Wochen lang enthaltsam zu leben, um durch regelmäßige Samenspenden seinem Freund Torben finanziell unter die Arme zu greifen. Dessen Vater, laut ProSieben ein Alt-Achtundsechziger "mit Ansichten und Idealen von Vorgestern", sorgt durch seinen unverhofften Besuch für so viel Trubel im Studentenwohnheim wie sonst nur der "crazy Langzeitstudent" Sönke.

Und über allem schwebt die wahrscheinlich spannendste Frage: Gelingt es Lukas, die strenge Französisch-Professorin Madame Prudent zu verführen?

"Ohne Studium keine Frauen"

"Es geht um Freundschaft und Situationen, in denen die Freundschaft auf die Probe gestellt wird," fasst Karim Chérif zusammen, für den Lukas die erste große Fernsehrolle ist. Doch es würden auch grundphilosophische Fragen gestellt, erklärt Chérif. "Warum gehen wir eigentlich auf die Uni?" beispielsweise. Für Torben alias Roman Roth, bekannt als Tim Böcking aus "Gute Zeiten, schlechte Zeiten", heißt die Antwort: "Ohne Studium kein Job, ohne Job kein Geld, ohne Geld keine Frauen."

Das klingt einleuchtend. Die Maxime von Lukas in der Serie ist allerdings noch bestechender: "Ich will gleich die Frauen." Und die bekommt er auch reihenweise. Bisweilen verabschiedet sich Lukas beim Anblick einer schönen Kommilitonin kurz aus dem Gespräch, um sich bei seiner Rückkehr noch den Reißverschluss zu schließen.

Seinen Freunden, die sich beim Erobern des anderen Geschlechtes weniger geschickt anstellen, versucht Lukas immer wieder mit Kniffen zu helfen: "Du schüttest ihr einfach einen Drink über die Bluse, entschuldigst dich brav, hilfst ihr aus den nassen Klamotten und die Sache ist geritzt."

Gedreht in einer echten Mensa

Am meisten Realitätsbezug haben noch die Kulissen der Serien: Immerhin wurde für die Serie des Regisseurs und GZSZ-Veteranen Edzard Onneken in der Mensa der TU Berlin gedreht - und sogar in echten Seminarräumen und Bibliotheken. Deshalb glaubt Jonas Laux auch, dass die Sitcom Studenten ansprechen werde, vor allem aber Schüler. Auch ein älteres Publikum könnte sich an einigen Szenen erfreuen, meint Chérif und erklärt: "Es gibt wohl ein bisschen mehr nacktes Fleisch zu sehen als sonst, die Serie läuft ja auch am Abend."

Zum Schluss erzählen die drei Studentendarsteller, dass sie nach Drehschluss viel gemeinsam unternommen hätten und auch privat Freunde geworden seien. An den kleinen Sticheleien und dem Spaß, den sie miteinander haben, merkt man, dass es sich nicht nur um das übliche Wir-waren-ein-tolles-Team-Gerede handelt. Wenn sie das auch auf dem Bildschirm rüberbringen, könnte die Serie trotz akuten Realitätsverlustes sogar ganz lustig werden.