Uni-Umbau in Mannheim: Exzellenz am Ende - DER SPIEGEL
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Uni-Umbau in Mannheim Exzellenz am Ende

Schildbürgersteich im Süden: Die Universität Mannheim will einem gerade frisch gekürten Exzellenzcluster teilweise den Saft abdrehen. Grund sind Umstrukturierungspläne der Uni-Leitung: Sie will die Hochschule ganz auf Wirtschaft trimmen.
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Unpopuläre Entscheidungen trifft mal wohl am besten mit etwas Abstand: Dieser Gedanke mag den Mitgliedern des Universitätsrates der Uni Mannheim gekommen sein, als sie sich am Montag zur entscheidenden Sitzung über die zukünftige Struktur ihrer Hochschule trafen. Das Gremium tagte nämlich im fast 100 Kilometer entfernten Frankfurt, genauer gesagt in einem Hochhaus der Deutschen Bank in der Großen Gallusstraße.

Offizieller Grund für den zeitweiligen Umzug in die Bankenmetropole war das "enge Zeitfenster einiger externer Mitglieder dieses Gremiums", wie Rektor Hans-Wolfgang Arndt zuvor der Mannheimer Uni-Zeitung "Basta" mitgeteilt hatte. Doch der Gedanke an eine Flucht liegt nicht so fern. Schließlich hatten bei der letzten Sitzung des Universitätsrates in Mannheim rund 1500 Menschen vor der Tür gestanden, um ihren Unmut über das zu äußern, was auf der Agenda der Uni-Lenker stand: ein weit reichendes Umbaukonzept, mit dem Arndt seine Hochschule fit für die Zukunft machen will.

Dass der umtriebige Rektor dafür auch genügend Tatkraft mitbringt, bewies er unter anderem, als sein Haus als erste Uni bundesweit das Wintersemester um mehrere Wochen vorzog. Nun will Arndt das Profil seiner Hochschule inhaltlich schärfen: "Die Universität Mannheim soll in ihren Kerndisziplinen BWL, VWL und Sozialwissenschaften national und europaweit an die Spitze kommen", so das Credo des Rektors.

Wie ein Ranking der Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unlängst bewies, ist man dabei auf einem guten Weg: Die Mannheimer kamen beim Einwerben wertvoller Drittmittel für Forschung in den Sozial- und Verhaltenswissenschaften bundesweit auf Platz zwei. "Diese Fördermittel sind ein ausgezeichneter Indikator für die Qualität der Forschung", hatte Margret Wintermantel, Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) damals attestiert.

Uni-Rat stimmt für schmerzhafte Einschnitte

Doch damit Mannheim seine ambitionierten Ziele in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften weiterverfolgen kann, soll es nun schmerzhafte Einschnitte in anderen Bereichen der Hochschule geben. Vom Uni-Rat gab es am Montag grünes Licht für die Auflösung der Philosophischen Fakultät. Deren Studienangebote sollen in die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften eingegliedert werden. Außerdem steht der erst vor zehn Jahren gegründete Bereich Technische Informatik vor dem Aus.

Die Uni verteidigt die unpopuläre Entscheidung: Mit nur sechs Lehrstühlen sei die Technische Informatik ein Torso, dem das technisch-naturwissenschaftliche Umfeld an der Hochschule fehle. Die Studenten sehen das natürlich anders - und versuchen, um ihren Studiengang zu kämpfen. Sie argumentieren, dass mit einer Schließung 100 Millionen Euro an Steuergeldern in den Sand gesetzt würden, die für den Aufbau des Bereichs geflossen waren.

Die Uni macht eine andere Rechnung auf: Sie rechnet vor, dass mindestens ein Drittel des Geldes zukunftssicher angelegt sei. Es geht um rund 32 Millionen Euro für den Umbau des Lehrgebäudes. Das Haus soll nach Meinung der Mannheimer Uni-Leitung auch nach einem Aus der Technischen Informatik weiter genutzt werden, genaue Pläne gibt es allerdings noch nicht.

Förderlinie "Exzellenzcluster"

Uni Kurztitel
RWTH Aachen Integrative Production Technology for High-Wage Countries
RWTH Aachen Ultra High-Speed Mobile Information and Communication
Bonn Mathematics: Foundations, Models, Applications
TU Dresden Engineering the Cellular Basis of Regeneration
Frankfurt am Main Macromolecular Complexes
Gießen Cardio-Pulmonary System
Göttingen Microscopy at the Nanometer Range
MH Hannover From Regenerative Biology to Reconstructive Therapy
Heidelberg Cellular Networks
TH Karlsruhe Center for Functional Nanostructures
Kiel The Future Ocean
Konstanz Cultural Foundations of Social Integration
LMU München Centre for Integrated Protein Science
LMU München Centre for Advanced Photonics
LMU München Nanosystems Initiative Munich
TU München Cognition for Technical Systems
TU München Origin and Structure of the Universe – The Cluster of Excellence for Fundamental Physics

Wie ein Schildbürgerstreich mutet indes eine weitere mögliche Auswirkung der Umbaupläne an: Denn drei Mannheimer Lehrstühle, die nach Plänen der Uni-Leitung keine Zukunft haben sollen, sind Teil eines frisch gekürten Exzellenzclusters. Er heißt "Zelluläre Netzwerke" und befasst sich mit Kommunikationsprozessen innerhalb von Zellen und Organismen. Bis zu 39 Millionen Euro zusätzlich gab es vergangenen Freitag für die Arbeit der beteiligten Forscher, die in Heidelberg koordiniert wird.

Forschung für den Exzellenzcluster "massiv bedroht"

Karl-Heinz Brenner, einer der drei Professoren des Exzellenzclusters aus Mannheim, sieht seine Arbeit durch den bevorstehenden Umbau seiner Heimatuni "massiv bedroht". Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE erklärt der Physiker, dass er zwar seine Professur behalten werde, aber schon bald keine neuen Studenten mehr bekomme. Und das sei äußerst problematisch: "Man kann keine Forschung ohne Studierende machen."

Von einer "einsamen Entscheidung der Universitätsspitze" spricht Brenner, und auch Studentenvertreter attestieren der Mannheimer Uni-Führung eine schlechte Informationspolitik. Nun hoffen sie, dass der Senat der Universität noch gegen die Umbaupläne stimmt.

Doch selbst wenn das so sein sollte, dann fängt damit der Ärger erst richtig an: "Der Senat kann zu den Plänen Stellung nehmen, sie aber nicht komplett verhindern", erklärt Studentenvertreter Jean-Philippe Aiguier im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Wenn das Gremium am 8. November tatsächlich gegen den Beschluss des Universitätsrates votiere, entstehe eine Pattsituation. "Dann", so sagt Aiguier mit einer bedeutungsschweren Pause, "muss die Politik eingreifen."

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