Unis im Netz: Nachsitzen, bitte! - DER SPIEGEL
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Unis im Netz Nachsitzen, bitte!

Wirres Design, Bleiwüsten, Service nur in Spurenelementen - viele Hochschul-Websites sind lieblos zusammengelötet und grenzen an optische Nötigung. Oft sorgen sie für mehr Verwirrung als Information, wie ein Streifzug durch die virtuelle Welt der Unis zeigt.
Von Tino Hanekamp
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Iiih, wie sieht's denn hier aus? Links klebt ein marineblauer Balken, der Rest der Seite ist weiß, darauf prangen in blauer Schrift Schlagwörter wie "Einrichtungen", "Orientierungshilfen" und "Dienste". Von dort aus landet der Surfer in wirren Bleiwüsten, unübersichtlichen Linklisten und zuweilen auch im Daten-Nirwana: "Die Seite kann nicht angezeigt werden." Im Jahr 2001, in den Zeiten von Flash-Programmen, Chat-Wahn und Online-Konferenzen, wirkt dieser Web-Auftritt so anachronistisch wie ein Pritschenwagen auf dem Nürburgring. Gleich neben dem hässlichen Balken steht: "Willkommen beim WWW-Dienst der Universität zu Köln." Nein, lieber nicht.

Wie es besser geht, zeigen die Seitenbauer von der Freien Universität Berlin. Schlicht-modern das Design, übersichtlich und praktisch die Benutzerführung - hier finden Gäste schnell, was sie suchen. Leicht verständlich wird erklärt, was man an der FU Berlin wann und wie studieren kann, wie die Anmeldung funktioniert und was die Fachgruppen bieten. Wer Fragen hat, stellt sie per E-Mail. Wer ein Bewerbungsformular braucht, kann es per Mausklick herunterladen.

Zielgruppe glatt verfehlt

Praktisch ist der Online-Katalog der FU-Bibliotheken, in dem man ganz bequem Bücher suchen und ihre Verfügbarkeit kontrollieren kann. Und weil auch ausländische Studenten an deutschen Unis büffeln, können sie sich auf den weitläufigen englischen Seiten umfassend über die FU Berlin informieren. Hier stimmt alles: Service, Information und Design.

Das liegt nicht zuletzt an Utz Lederbogen vom Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft an der FU Berlin. Lederbogen beschäftigt sich seit vier Jahren mit den Web-Auftritten deutscher Hochschulen, hält bisweilen Vorträge zum Thema und hat auch bei der Homepage seiner Heimat-Uni die Finger im Spiel. Und er hat den Überblick: Vor ein paar Tagen hat der 45-jährige Diplomjournalist die Datenerhebung für eine neue Studie abgeschlossen. Darin bewertet sein Institut die Netzauftritte von 19 deutschen Hochschulen.

Seit der Vorgängerstudie von 1999 sieht Lederbogen kaum Verbesserungen: "Die Aktualität lässt meistens zu wünschen übrig, der Service ist mangelhaft und die Zielgruppe wird oft völlig verfehlt", lautet sein Fazit. Die Zielgruppe - das sind Abiturienten, Studenten, Journalisten und Gelehrte aus aller Welt. Sie sollen auf den Uni-Seiten fundierte Informationen und hilfreichen Service finden. Doch viele Online-Auftritte sind so dürftig, dass sie statt eines positiven Gesamteindrucks eher Verwirrung und Frustration hinterlassen. "Die Verantwortlichen müssen sich fragen: ‚Für wen machen wir die Website?' Die Besucher im Netz sollte man willkommen heißen und nicht einfach abfertigen", mahnt Lederbogen.

"Schwer verständliches Akademikerdeutsch"

Alles andere als willkommen fühlen sich Besucher, wenn sie nur rudimentäre Informationen in Englisch finden (Humboldt-Universität Berlin), durch einen chaotischen Aufbau irren (Universität Hamburg) oder gleich von Augen verletzenden Design-Verbrechen in die Flucht geschlagen wird (Universität der Bundeswehr Hamburg). Zudem seien "manche Texte in schwer verständlichem Akademikerdeutsch geschrieben", so Lederbogen. Und noch immer sind fast alle Seiten so interaktiv wie ein Pritschenwagen rasant. Chat, Beratung per E-Mail, Formulare zum Download: meist Fehlanzeige!

Aber im düsteren Homepage-Wald der Unis finden sich auch löbliche Ausnahmen. Selten allerdings glänzen ganze Auftritte, meist nur bestimmte Funktionen und Rubriken. So gibt es auf den Seiten der Uni Dortmund, die derzeit komplett überarbeitet werden, die UDO-Community. In dieser 3D-Welt können Besucher zwei programmierte Pixelfiguren und die Studienberater der Uni via Chat um Rat fragen.

Beeindruckend auch der übersichtlich gestaltete virtuelle Studienführer der Uni Osnabrück, der Nachwuchs-Akademiker von der Anmeldung über Prüfungen bis zu Zuschüssen umfassend informiert. Nett zu potenziellen Gast-Studenten sind die Seitenbauer der thüringischen TU Ilmenau. Auf ihrer schicken Homepage stehen die wichtigsten Infos in Spanisch, Englisch und Französisch.

Das hat Seltenheitswert auf deutschen Hochschulseiten und macht Hoffnung. Und daher nun ein Happy End, doch noch gesprochen von Experte Utz Lederbogen: "Die Qualität der Seiten wird besser. Das Know-how der Verantwortlichen steigt immens, immer mehr Unis haben einen eigenen Webmaster."


Im zweiten Teil: Die Tops und Flops der Uni-Websites

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