Uno-Tagebuch Ringen um Resolutionen
"Gerade in diesen Wochen können wir alle sehen, wohin es führt, wenn ein Land etwas entscheidet, ohne andere zu fragen. Unilaterismus ist eine große Gefahr." Shakirah sitzt auf den Stufen der Heidelberger Universität und beobachtet die Delegierten. Seit elf Monaten hat die 22-Jährige dafür gearbeitet, dass die Konferenz ein Erfolg wird. Die zierliche Politikstudentin aus Harvard ist im Organisationsteam für die Pressearbeit zuständig.
Aufgewachsen ist Shakirah in Nairobi, Kenia. Das betont sie, sobald das Gespräch auf den Krieg im Irak kommt: "Es war so schön, nach Europa zu kommen, wo die Stimmung ganz anders ist als in den USA. Hier haben viele junge Leute eine differenziertere Meinung."
Die Krise der Uno ist für viele Studenten und Organisatoren erst recht ein Grund, sich bei einer Uno-Simulation zu engagieren. Im Heidelberger Komitee der Unesco geht es sehr friedlich zu. Niemand fällt dem anderen unerlaubt ins Wort oder versucht, durch Anmerkungen zum Prozedere die Diskussionen zu unterbrechen.
Debatte um Afrikas Kunstschätze
In den Pausen stehen Trauben von Studenten zusammen, verhandeln über einzelne Punkte einer möglichen Resolution oder sitzen im Computerraum und bringen die ersten Worte zu Papier. Bei den offiziellen Formulierungen haben die Muttersprachler eindeutig Vorteile. Auf ein verzweifeltes "Kannst du das bitte mal erklären" reagiert Al von der Yale University mit einem Lächeln und versucht, die formellen Sätze für zwei Studentinnen aus Deutschland und aus Frankreich in einfachere Worte zu fasse.
Der Delegierte aus Frankreich ist da schon weniger kooperativ. Es geht um die Rückführung afrikanischer Kunst, und er befürchtet, dass zu viele arme Länder für den Resolutionsentwurf der Afrika-Fraktion stimmen und sein Land dann zahlreiche Kunstschätze aus dem Louvre nach Afrika zurückgeben muss. Die seien in Frankreich doch viel besser aufgehoben, meint James. Und außerdem könnten sich so viele Leute daran erfreuen.
"Das sind aber die falschen Leute", erwidert Heidi aus New York. Sie vertritt Nigeria und kämpft darum, dass alle Kunst aus Afrika auch dorthin zurückgegeben wird. Nur so könnten Traditionen aufrecht erhalten bleiben.
"Come together" am Abend
Um solche Diskussionen zu führen, mussten die Studenten sich intensiv vorbereiten: im Internet recherchieren, in Büchern nachlesen oder auch mal bei der Botschaft anrufen. Der Sprecher der tunesischen Botschaft in Berlin hat gleich ein ganzes Paket mit Informationsmaterial an die Studenten aus Deutschland geschickt, die das Land aus Nordafrika vertreten. Und auch er hat nicht vergessen zu erwähnen, dass Tunesien gegen den Krieg im Irak ist.
Trotz aller nachdenklichen Gespräche ist die Stimmung auf der Konferenz ausgelassen. Die Clubbing Night lieferte ein gutes Beispiel für die unterschiedliche Feier-Kultur der Nationen. Während beispielsweise die Latinos zu Beginn eines Abends einen Tanzpartner auswählen und dann den gesamten Abend mit ihm Salsa und Samba tanzen, tummeln sich andere lieber in Gruppen auf der Tanzfläche. Und die amerikanischen Teilnehmer wollen bei der Party offenbar ihre etwas prüde Erziehung vergessen machen, wie europäische Studenten mit Erstaunen beobachten - aber es sollen sich ja alle näher kommen.