US-Studenten: Mit der Knarre auf den Campus - DER SPIEGEL
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US-Studenten Mit der Knarre auf den Campus

An den Unis in Virginia soll jeder eine Waffe tragen dürfen, fordert eine Gruppe von Studenten um einen früheren Marine-Soldaten. Ihr Argument: Das Massaker in Blacksburg wäre vielleicht nicht geschehen, wenn bewaffnete Studenten den Amokläufer hätten stoppen können.
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"Die Studenten an der Virgina Tech hätten eine Chance haben müssen, sich zu verteidigen", sagte Andrew Drysart. Zusammen mit anderen Studenten möchte er im Bundesstaat Virginia ein Gesetz kippen. Es erlaubt den Hochschulen, selbst zu entscheiden, ob sie Studenten und Uni-Mitarbeitern das Tragen von Waffen auf dem Campus verbieten oder nicht.

Dysart hält das für falsch. Er war früher Marineinfanterist, demnächst will er an der George Mason University in Virginia seinen Abschluss machen. Für die Änderung des Gesetzes setzt er sich ein, weil seiner Ansicht nach "der einzige Weg, einen Massenmörder zu stoppen, darin besteht, mündigen Bürgern im Klassenzimmer und auf dem Uni-Gelände zu erlauben, eine zugelassene Pistole bei sich zu führen", wie es auf der Internetseite seiner Organisation heißt.

Bei dem Massenmörder, von dem die Rede ist, handelt es sich um Cho Seung Huiim. Der 23-jährige Student hatte Mitte April an der Virginia Tech University in Blacksburg zunächst zwei Studenten in einem Wohnheim erschossen und danach weitere 30 Menschen im Seminargebäude Norris Hall getötet. Schließlich feuerte sich der Amokschütze selbst in den Kopf.

Über ein Buch mit Augenzeugenberichten, das Studenten veröffentlichen wollen, gibt es gerade Ärger, jetzt auch um die Zulassung von Waffen. Die meisten Hochschulen in Virginia verbieten ihren Studenten, auf dem Campus Waffen bei sich zu führen. Besucher mit Waffenschein können jedoch nicht davon abgehalten werden, das Gelände mit einer Pistole zu betreten. Dysart hält das für ungerecht: "Dadurch haben die Studenten nicht die gleiche Möglichkeit, sich selbst zu verteidigen." Der Student sagt, er habe sich in der Zeit bei der US-Marine zum Thema Selbstverteidigung eine Meinung bilden können.

"Mehr, als eine Universität ertragen kann"

Governor Timothy M. Kaine sagt, die Hochschulen sollten auch weiterhin selbst entscheiden dürfen, ob ihre Studenten bewaffnet auf dem Gelände herumlaufen dürfen. Er schlägt vor abzuwarten, bis ein Gremium, dass das Massaker an der Virginia Tech University untersucht, eine Empfehlung herausgibt.

Studenten, die Waffen tragen,"haben das Potential, die Gewalt am College und auf dem Campus noch zu erhöhen", glauben die Mitglieder einer Organisation, die sich für Sicherheit auf dem Campus einsetzt. Die Zahl der Unfälle und Missbräuche von Waffen würden steigen - zum Beispiel, wenn auf einer Party Alkohol und Drogen im Spiel seien. Da kämen einzelne leicht in Versuchung, bei einem Streit die Waffe zu zücken.

Die Leitung der Virginia Tech Universität setzt sich nicht für die Gesetzesänderung in ihrem Bundesstaat ein. Ihre Meinung zum Thema Waffen auf dem Campus ist unverändert: "Wir glauben nicht, dass Pistolen im Seminarraum auftauchen sollten", sagte Uni-Sprecher Larry Hincker, "wir haben in der Vorlesung mehr Waffen erlebt, als eine Universität ertragen kann."

In den Vereinigten Staaten untersagen 38 der 50 Bundesstaaten ihren Schülern, Waffen mit in die Schule zu bringen, berichtet die "International Herald Tribune"; in 16 Staaten gilt dieses Verbot auch auf dem Uni-Campus. Die anderen Staaten überlassen es den Bildungseinrichtungen, wie sie mit dem Thema umgehen. Utah ist der einzige Bundesstaat, der es den Studenten ausdrücklich erlaubt, in der Uni mit einer Waffe aufzukreuzen.

kat/AFP

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