US-Visa-Politik: Schikane light - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

US-Visa-Politik Schikane light

Die US-Regierung will die Visa-Auflagen für ausländische Studenten und Wissenschaftler lockern. Davon profitieren allerdings nur Akademiker, die sich bereits im Land aufhalten. Austauschorganisationen begrüßen den Plan, halten ihn aber nicht für ausreichend.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nach harscher Kritik an ihrer restriktiven Visa-Politik will die US-Regierung den Aufenthalt für Gaststudenten und Gastwissenschaftler vereinfachen. Das amerikanische Außenministerium habe die Fristen verlängert, innerhalb derer sich ausländische Studenten und Wissenschaftler, die bereits in den USA studieren oder forschen, einer neuen Sicherheitsprüfung unterziehen müssen. Das berichtete die "New York Times" am Montag. Betroffen seien Fächer wie Chemie, Pharmazie und Ingenieurwesen.

Die US-Regierung betrachtet diese Fachbereiche als heikel und überprüft sie gesondert, um zu verhindern, dass US-Technologie ins Ausland gelangt. 1998 eingeführt, wurde die Prozedur nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 noch zusätzlich verschärft.

Gastwissenschaftler und Gaststudenten mussten sich deshalb bislang einmal pro Jahr zur Sicherheitsprüfung vorstellen. Ab demnächst soll eine Frist von vier Jahren für Studenten und zwei Jahren für Forscher gelten.

Signal ins Ausland

"Damit senden wir ein deutliches Signal aus, dass die Vereinigten Staaten die besten akademischen Köpfe dazu ermutigen, in unserem Land zu studieren und zu forschen", betonte eine Sprecherin des Ministeriums für Heimatschutz.

Austauschorganisationen und Bildungspolitiker hatten sich beklagt, dass die restriktive Visa-Politik ausländische Studenten und Wissenschaftler abschrecke. Das "Institute of International Education" (IIE) hatte in seinem jährlichen "Open Doors"-Report  ermittelt, dass beispielsweise die Zahl deutscher Studenten in den Vereinigten Staaten im vergangenen Studienjahr 2003/2004 um sechs Prozent gesunken war.

Auch Studenten aus anderen Ländern zeigten sich weniger amerikabegeistert. Die Gesamtzahl der ausländischen Studenten in den USA ging um 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Das war der stärkste Einschnitt seit über 30 Jahren.

Insgesamt waren im vergangenen Studienjahr knapp 573.000 internationale Studenten an US-Hochschulen eingeschrieben.

13 Milliarden Dollar Einnahmen pro Jahr

Sie bringen nicht nur ihr Wissen mit in die Vereinigten Staaten, sondern auch viel Geld. Die Höhe der jährlichen Ausgaben von Gaststudenten wird auf etwa 13 Milliarden Dollar geschätzt - ein nicht unerheblicher Wirtschaftsfaktor.

Hauptgründe für die wachsende Skepsis gegenüber dem Land der unbegrenzten Bildungsmöglichkeiten sind offenbar die amerikanische Außenpolitik und die restriktiven Visa-Bestimmungen. So müssen Visumsbewerber inzwischen ein Interview in Berlin oder Frankfurt absolvieren und sich Fingerabdrücke abnehmen lassen.

Trotz ihrer starken Hochschul-Marken stehen die Vereinigten Staaten schon lange nicht mehr konkurrenzlos da. Andere englischsprachige Länder wie Kanada, Australien oder Neuseeland werben verstärkt um zahlungswillige Bildungs-Touristen.

"Ein Problem der Wahrnehmung"

Deshalb fürchten amerikanische Experten auch um die führende Stellung der Vereinigten Staaten auf dem internationalen Bildungsmarkt. Die USA müssten nun das Problem angehen, dass sich Gaststudenten weniger willkommen fühlten, sagte Terry W. Hartle vom American Council on Education, der Hochschulen vertritt. "Das ist ein Problem der Wahrnehmung, an dessen Überwindung wir arbeiten müssen."

Die zuständige Freigabestelle schätzt, dass sich die Zahl der zu bearbeitenden Visa pro Jahr um die Hälfte verringern wird. Bislang mussten Wissenschaftler im Durchschnitt 67 Tage auf einen Bescheid warten.


Mehr lesen über

Verwandte Artikel